# Wahlprogramm 2017

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Beschlossen auf dem Bundesparteitag in Köln am 22./23. April 2017  
PROGRAMM FÜR  
DEUTSCHLAND  
Wahlprogramm der Alternative für Deutschland  
für die Wahl zum Deutschen Bundestag  
am 24. September 2017  
www.afd.de/wahlprogramm

1 | Verteidigung der Demokratie in Deutschland 06  
1.1 Ohne Volkssouveränität keine Demokratie 07  
1.2 Zurückführung der Europäischen Union in einen  
Staatenbund souveräner Staaten 07  
1.3 Das Volk muss wieder zum Souverän werden 08  
1.4 Volksabstimmungen nach Schweizer Vorbild 08  
1.5 Die Gewaltenteilung gewährleisten 09  
1.6 Trennung von Amt und Mandat und Kampf der  
Ämterpatronage 09  
1.7 Macht der Parteien beschränken 09  
1.8 Direktwahl des Bundespräsidenten 09  
1.9 Parteienfinanzierung dem Verfassungsrecht anpassen 10  
1.10 Freie Listenwahl und freies Mandat 10  
1.11 Wider das Berufspolitikertum: Amtszeit begrenzen 10  
1.12 Lobbyismus eindämmen 11  
1.13 Private Rentenvorsorge für Parlamentarier 11  
1.14 Einführung eines Straftatbestands der Steuerverschwendung 11  
1.15 Bürgerlich-freiheitliche Rechtsordnung 11  
1.15.1 Vertragsfreiheit bewahren 12  
2 | Der EURO ist gescheitert:  
Währung, Geld- und Finanzpolitik 13  
2.1 Die weitere Mitgliedschaft in der Eurozone ist für  
Deutschland unbezahlbar 14  
2.2 Sparer und Rentner vor Enteignung durch die EZB schützen 14  
2.3 Erhalt des Bargelds 15  
2.4 Keine deutsche Haftung für ausländische Banken 15  
2.5 Mit uns ist Ihr Geld sicher: Absicherung der Bürger gegen  
eine Eurokrise 16  
3 | Außen- und Sicherheitspolitik:  
Deutsche Interessen durchsetzen 17  
3.1 Außenpolitik muss sich an deutschen Interessen ausrichten 18  
3.2 Das Verhältnis zu wichtigen Staaten ändert sich 18  
3.3 Deutschland muss sich selbst verteidigen 19  
3.4 Für eine nationale Sicherheitsstrategie 19  
3.5 Deutschland soll seine wirtschaftlichen Stärken ausbauen 20  
3.6 Entwicklungspolitik: Stabilität als Sicherheits- und  
Wirtschaftsinteresse 21  
4 | Innere Sicherheit 22  
4.1 Wirksame Bekämpfung der Ausländerkriminalität 23  
4.2 Vollstreckung im Ausland 23  
4.3 Jugendstrafrecht 24  
4.4 Reform der Polizei 24  
4.5 Bessere Fahndungsmöglichkeiten 24  
4.6 Organisierte Kriminalität bekämpfen 25  
4.7 Sicherheit der Bürger verbessern 25  
4.8 Abmahnvereine abschaffen 25  
4.9 Erstattungsfähigkeit vorgerichtlicher Inkassokosten  
gesetzlich unterbinden 25  
5 | Asyl braucht Grenzen: Zuwanderung und Asyl 27  
5.1 Die demografischen Probleme Europas und Afrikas 28  
5.2 Zuwanderung muss nach unseren Regeln stattfinden 28  
5.3 Die Türkei gehört nicht in die EU 29  
5.4 Keine weitere Einwanderung in die Sozialsysteme 29  
5.5 Zuflucht in der Herkunftsregion statt ungebremster  
Massenmigration nach Deutschland 30  
5.6 Sichere Identifizierung von Asylbewerbern ermöglichen 30  
5.7 Kein Familiennachzug in unsere Sozialsysteme 31  
5.8 Die Kosten für unbegleitete minderjährige Ausländer  
explodieren 31  
5.9 Anpassung ist die Aufgabe des Einwanderers, nicht  
der „Gesellschaft“ 32  
5.10 Staatsbürgerschaft durch Abstammung.  
Beendigung der doppelten Staatsbürgerschaft 32  
Wahlprogramm Bundestagswahl 2017 | Inhalt 3  
6 | Der Islam im Konflikt mit der freiheitlich-demokratischen  
Grundordnung 33  
7 | Willkommenskultur für Kinder:  
Familienförderung und Bevölkerungsentwicklung 36  
7.1 Deutschland nicht abschaffen 37  
7.2 Ehe und Familie stärken 37  
7.3 Kinder brauchen beide Eltern: Allein erziehen ist kein  
Idealfall 38  
7.3.1 Mehr Gerechtigkeit bei Scheidungen 38  
7.3.2 Väter stärken 38  
7.4 Familiennahe Betreuung würdigen 39  
7.5 Schutz des ungeborenen Lebens 39  
7.6 Kinder willkommen heißen 39  
7.7 Für ein klares Familienbild – Gender-Ideologie ist  
verfassungsfeindlich 40  
7.7.1 Gender-Ideologie raus aus den Schulen – Frühsexualisierung  
stoppen 41  
7.7.2 Steuerverschwendung durch „Gender-Forschung“ beenden 41  
8 | Bildung und Schule: Mut zur Differenzierung 42  
8.1 Mehrgliedriges Schulsystem erhalten 43  
8.2 Berufliche Bildung stärken: Meister statt Master 44  
8.3 Keine ideologisch motivierte Inklusion: Förder- und  
Sonderschulen erhalten 44  
8.4 Folgen der Massenimmigration: Nicht auf dem Rücken  
der Schüler 44  
8.5 Bologna ist gescheitert: Diplom und Magister wieder  
einführen 44  
8.6 Autonomie der Hochschulen stärken: Freiheit von  
Forschung und Lehre bewahren 45  
8.7 Keine ideologische Beeinflussung an der Schule:  
Die Neutralität der Schule muss gewahrt bleiben 45  
8.8 Keinen bekenntnisgebundenen Islamunterricht an  
deutschen Schulen 45  
8.9 Keine Sonderrechte für Muslime an unseren Schulen 45  
8.10 Kein Koranunterricht durch verfassungsfeindliche  
Moscheevereine 45  
9 | Kultur und Medien 46  
9.1 Deutsche Leitkultur statt „Multikulturalismus“ 47  
9.2 Die deutsche Sprache als Zentrum unserer Identität 47  
9.3 Ideologiebesetzte kulturpolitische Vorgaben des Staates  
beseitigen 47  
9.4 Bekenntnis zur Kulturhoheit der Länder – keine „politisch  
korrekte“ Kunst und Kultur! 48  
9.5 Medien: Für eine zeitgemäße Medienpolitik:  
Rundfunkbeitrag abschaffen 48  
9.6 Das Internet als Ort der freien Meinungsäußerung erhalten 48  
10 | Steuern und Finanzen, Wirtschaft und Arbeit 49  
10.1 Steuern 50  
10.2 Haushaltspolitik 51  
10.3 Soziale Arbeitswelt 52  
10.4 Arbeitslosigkeit und Qualifikation für Langzeitarbeitslose 52  
10.5 Keine Manipulation der Arbeitslosenquote 53  
10.6 Wirtschaftspolitik für Deutschland: Wohlstand für alle! 53  
10.7 Gesicherte Einlagen bei Bankinsolvenzen 54  
10.8 Anspruch auf Teilhabe am digitalen Leben und  
digitaler Wirtschaft 54  
11 | Sozialpolitik 55  
11.1 Sozialpolitik und Zuwanderung 56  
11.2 Benachteiligung von Familien beseitigen und Kinderarmut  
bekämpfen 56  
11.3 Grundsätzliches zur Rente 57  
11.4 Rente und Lebensarbeitszeit 57  
11.5 Rente und versicherungsfremde Leistungen 57  
11.6 Doppelbesteuerung der staatlichen Rente vermeiden 58  
11.7 Grundsicherung im Alter: Wer gearbeitet hat, muss später  
mehr haben 58  
11.8 Gerechtigkeit beim Arbeitslosengeld 58  
11.9 Paritätische Finanzierung der Kranken- und  
Pflegeversicherung 58  
4 Wahlprogramm Bundestagswahl 2017 | Inhalt  
12 | Unser Gesundheitssystem ist in Gefahr 59  
12.1 Finanzierung der Gesundheit – grundlegende Probleme  
beseitigen 60  
12.2 Ärztliche Versorgung auf dem Land sicherstellen 60  
12.3 Dem „Pflegenotstand“ entgegenwirken 60  
12.4 Stationäre Versorgung durch Investitionen sicherstellen 61  
12.5 Krankenhaus-Notfallambulanzen entlasten 61  
12.6 Ambulante Versorgung durch ein Hausarztsystem optimieren 61  
12.7 Ärzte und Therapeuten überwiegend in Deutschland  
ausbilden 61  
12.8 Das deutsch-türkische Sozialversicherungsabkommen  
kündigen 62  
12.9 Gesundheitskarte und E-Health-Gesetz 62  
12.10 Alternative Medizin als Ergänzung traditioneller Medizin 62  
12.11 Freiberufliche Hebammen 63  
12.12 Keine Freigabe von Cannabis 63  
13 | Schluss mit der Technologiefeindlichkeit:  
Energie und Klima 64  
13.1 Klimawandel 65  
13.2 Energiepolitik 65  
13.3 Land der Tüftler und Denker: Technologie fördern 66  
14 | Verkehrswege erhalten und ausbauen, Wohnungsbau  
verstärken, ländlichen Raum entwickeln 68  
14.1 Verkehr und Infrastruktur 69  
14.2 Wohnungsbau 69  
14.3 Den ländlichen Raum stärken 70  
15 | Umwelt-, Natur- und Tierschutz, Verbraucherschutz  
und Landwirtschaft 71  
15.1 Wasserversorgung gehört in die öffentliche Hand 72  
15.2 Ausbau der Windenergie stoppen 72  
15.3 Lärmschutz verbessern 72  
15.4 Verbraucherschutz 72  
15.5 Tierschutz: Tierquälerisches Schlachten verbieten 73  
15.6 Stärkung der bäuerlichen Landwirtschaft 73  
15.6.1 Regionalisierung und Direktvermarktung 73  
15.6.2 Alte Kultursorten erhalten 74  
15.6.3 Rahmenbedingungen für Kleingärten und Kleintierhaltungen  
verbessern 74  
15.6.4 Für eine gentechnikfreie deutsche Landwirtschaft 74  
Wahlprogramm Bundestagswahl 2017 | Inhalt 5  
K A P I T E L 1  
Verteidigung der  
Demokratie in Deutschland  
1.1 Ohne Volkssouveränität keine Demokratie  
Wir wollen Deutschland reformieren und an die Prinzipien  
und Wurzeln anknüpfen, die zu seinem jahrzehntelangen  
sozialen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Erfolg ge-  
führt haben. Die Rechtsstaatlichkeit muss wiederhergestellt  
werden, und der Staat muss seine eigentlichen Kernaufga-  
ben, insbesondere die Gewährleistung der inneren Sicher-  
heit, wieder wahrnehmen. Mit den Verträgen von Schengen,  
Maastricht und Lissabon wurde rechtswidrig in die unan-  
tastbare Volkssouveränität eingegriffen. Ein Staat, der das  
Grenzregime und damit die Hoheit über sein Staatsgebiet  
aufgibt, löst sich auf. Er verliert seine Eigenstaatlichkeit.  
Auch in Deutschland wenden wir uns gegen Zentralismus,  
Gleichmacherei und Uniformität. Denn wir stehen entschie-  
den für Subsidiarität und Föderalismus. Starke, eigenständi-  
ge Bundesländer, Regionen und Kommunen in einem souve-  
ränen Deutschland entsprechen dem Ideal freier Völker und  
vielfältiger kultureller Identitäten. Einheit in Vielfalt statt  
Selbstaufgabe im Kollektiv ist uns Ursprung und Ziel deut-  
scher Selbstbestimmung.  
Wir wollen den souveränen, demokratischen National-  
staat erhalten!  
Die AfD steht für die Freiheit und Selbstbestimmung der  
europäischen Nationen. Das bedeutet, dass alle Nationen das  
Recht haben, sich in souveränen Staaten zu organisieren. Als  
solche können sie völkerrechtliche Verbindungen eingehen  
und gemeinsame Interessen als Staatengemeinschaft wahr-  
nehmen. In Europa war dies über die Europäische Wirt-  
schaftsgemeinschaft erfolgreich gelungen. Der Versuch, über  
die Verträge von Maastricht (1992) und Lissabon (2008)  
einen „Staatenverbund“ zu schaffen, wie das Bundesverfas-  
sungsgericht diese vorbildlose Konstruktion nennt, muss als  
gescheitert betrachtet werden.  
Stattdessen werden durch die EU, die den Anspruch  
erhebt, kontinentaler Staat zu werden, die existierenden,  
demokratischen Nationalstaaten in ihrer Funktion einge-  
schränkt bzw. dauerhaft zerstört. Es gibt weder ein europä-  
isches Staatsvolk, das für ein solches Vorhaben konstitutiv  
wäre, noch ist erkennbar, dass sich ein solches auf absehbare  
Zeit herausbildet. Kulturen, Sprachen und nationale Iden-  
titäten sind durch Jahrhunderte dauernde geschichtliche  
Entwicklungen entstanden. Sie stellen für ihre Angehörigen  
unverzichtbare Identifikationsräume dar, die nur in natio-  
nalen Staaten mit demokratischer Verfassung wirkungsvoll  
ausgestaltet werden können. Nur hier kann Volkssouveräni-  
tät gelebt werden, die Mutter und das Herzstück der Demo-  
kratie.  
1.2 Zurückführung der Europäischen Union in  
einen Staatenbund souveräner Staaten  
Das bestehende „Lissabon-Europa“ ist daher zurückzu-  
führen zu einer Organisation von Staaten, die auf der Basis  
völkerrechtlicher Verträge ihre Interessen und Aufgaben-  
wahrnehmung definieren. Nicht rückholbare Souveränitäts-  
verzichte der Staaten dürfen mit einer solchen Konstruktion  
nicht verbunden werden. Ähnlich wie heute im Vertrag über  
die Europäische Union (EUV) in Art. 50 vorgesehen, behält  
sich jeder Staat ein Austrittsrecht vor.  
Wahlprogramm Bundestagswahl 2017 | Verteidigung der Demokratie in Deutschland 7  
Sofern eine solche Konzeption mit den derzeitigen Part-  
nern der EU nicht einvernehmlich auszuhandeln ist, ist  
Deutschland gezwungen, dem Beispiel Großbritanniens zu  
folgen und aus der bestehenden EU auszutreten.  
Die Schaffung neuer überstaatlicher Vereinbarungen bleibt  
vorbehalten und wird aufgrund nationalstaatlicher Souverä-  
nität erst ermöglicht.  
1.3 Das Volk muss wieder zum Souverän werden  
Heimlicher Souverän in Deutschland ist eine kleine,  
machtvolle politische Oligarchie, die sich in den bestehenden  
politischen Parteien ausgebildet hat. Sie hat die Fehlentwick-  
lungen der letzten Jahrzehnte zu verantworten. Es hat sich  
eine politische Klasse herausgebildet, deren vordringliches  
Interesse ihrer Macht, ihrem Status und ihrem materiellen  
Wohlergehen gilt. Diese Oligarchie hat die Schalthebel der  
staatlichen Macht, der politischen Bildung und des infor-  
mationellen und medialen Einflusses auf die Bevölkerung in  
Händen. Die stetigen Verletzungen der Prinzipien der deut-  
schen Staatlichkeit gipfeln in der Flüchtlingspolitik der Bun-  
desregierung von CDU/CSU und SPD. Die Volksvertreter  
haben sich den grundgesetzlich garantierten Parlamentsvor-  
behalt für alle wichtigen Entscheidungen im Staat nehmen  
lassen und die über ihre Köpfe hinweg getroffenen rechts-  
und verfassungswidrigen Entscheidungen zur Zuwanderung  
klaglos hingenommen. Nur das Staatsvolk der Bundesrepu-  
blik Deutschland kann durch das Mittel der unmittelbaren  
Demokratie diesen illegalen Zustand beenden.  
1.4 Volksabstimmungen nach Schweizer Vorbild  
Wir wollen dem Volk das Recht geben, den Abgeordneten  
auf die Finger zu schauen und vom Parlament beschlossene  
Gesetze zu ändern oder abzulehnen. Dies würde in kürzes-  
ter Zeit die Flut der oftmals unsinnigen Gesetzesvorlagen  
nachhaltig eindämmen und die Parlamente zu sorgfältigerer  
Arbeit zwingen. Ein mäßigender Einfluss auf Beschlüsse der  
Abgeordneten in eigener Sache – etwa Diäten-, Fraktions-  
und Parteienfinanzierung und die Finanzierung von „partei-  
nahen“ Stiftungen – wäre dadurch gewährleistet. Das Volk  
soll auch die Möglichkeit erhalten, eigene Gesetzesinitiativen  
einzubringen und per Volksabstimmung zu beschließen.  
Die AfD fordert Volksentscheide nach Schweizer Vorbild  
auch für Deutschland.  
Ohne Zustimmung des Volkes darf das Grundgesetz nicht  
geändert und kein bedeutsamer völkerrechtlicher Vertrag ge-  
schlossen werden. Die deutschen Bürger sind der Zahlmeis-  
ter Europas. Entgegen aller früheren Beteuerungen haften  
wir für die jährlich wachsenden Schulden anderer EU-Län-  
der. Dies ist ein schicksalhafter politischer Wortbruch, der  
die heute lebenden Bürger und mehrere nachfolgende Gene-  
rationen in große Existenznot bringen wird.  
Das deutsche Volk soll deshalb nach dem britischen Vor-  
bild über den Verbleib Deutschlands in der Eurozone und  
gegebenenfalls der EU abstimmen!  
8 Wahlprogramm Bundestagswahl 2017 | Verteidigung der Demokratie in Deutschland  
Im Gegensatz zur CDU und ihrer Kanzlerin halten wir das  
deutsche Volk für ebenso mündig wie das der Schweizer, der  
Briten, der Franzosen, der Italiener und der Niederländer.  
Entgegen anderslautender Behauptungen entscheiden Bür-  
ger in Schicksalsfragen der Nation weitsichtiger und gemein-  
wohlorientierter als macht- und interessengeleitete Berufs-  
politiker. Das ist die Lehre aus der Wiedervereinigung, aus  
der Ablehnung des „EU-Verfassungsvertrags“ durch das  
französische und das niederländische Volk und der Entschei-  
dung der Engländer, aus der Lissabon-Union auszutreten.  
Wir sind der Auffassung, dass die vielfältigen politischen  
Probleme Deutschlands mutiger Weichenstellungen bedür-  
fen. Nach unserer Überzeugung können die fundamentalen  
Krisen von Währung, Energieversorgung und Migration so-  
wie die Konfrontation mit dem Islam alleine weder von der  
Regierung noch vom Bundestag tragfähig bewältigt werden.  
Ohne eine unmittelbare Mitbestimmung der Bürger kann  
und darf dies auch nicht geschehen.  
Die Einführung von Volksabstimmungen nach Schweizer  
Modell ist für die AfD deshalb nicht verhandelbarer Inhalt  
jeglicher Koalitionsvereinbarungen.  
1.5 Die Gewaltenteilung gewährleisten  
Zahlreiche Gesetze haben die Gewaltenteilung in Deutsch-  
land über die Jahre erodieren lassen und zu einer über-  
bordenden Staatsgewalt geführt: Ehemalige Politiker auf  
Richterstühlen, Abgeordnete die zugleich Kanzler, Minis-  
terpräsident oder Minister sind und sich insoweit selbst  
kontrollieren, sowie parteipolitische Netzwerke, die durch  
verbotene Ämterpatronage entstehen, können nicht länger  
toleriert werden. Die Justiz muss entpolitisiert werden.  
1.6 Trennung von Amt und Mandat und Kampf  
der Ämterpatronage  
Kanzler, Ministerpräsidenten, Minister und parlamen-  
tarische Staatssekretäre dürfen nicht mehr zugleich Abge-  
ordnete sein. Die Funktionen von „politischen Beamten“ in  
der Staatsverwaltung wollen wir abschaffen – von Minis-  
terialdirektoren bis zu Polizeipräsidenten. Die Mitarbeiter  
der öffentlichen Verwaltung haben unabhängig und loyal zu  
sein. Beamten- und Richterstellen sind ausschließlich nach  
Qualifikation und fachlicher Leistung zu besetzen (Art. 33  
Abs. 2 GG). Die „Parteibuchwirtschaft“ muss beendet wer-  
den. Ämterpatronage ist unter Strafe zu stellen.  
1.7 Macht der Parteien beschränken  
Parteien sollen am politischen System mitwirken (Art. 21  
Abs. 1 GG), es aber nicht beherrschen. Die Allmacht der Par-  
teien und deren Ausbeutung des Staates gefährden unsere  
Demokratie. Diese Allmacht ist auch Ursache der verbreite-  
ten Politikverdrossenheit und der freiheitsbeschränkenden  
„politischen Korrektheit“ sowie des Meinungsdiktats in allen  
öffentlichen Diskursen. Die Loyalität der Abgeordneten gilt  
eher den Parteivorständen als den Bürgern, in deren Auftrag  
sie in erster Linie zu handeln haben.  
1.8 Direktwahl des Bundespräsidenten  
Derzeit wird der Bundespräsident in der Bundesversamm-  
lung vorgeschlagen und gewählt. Die Auswahl des Kandida-  
ten findet hinter verschlossenen Türen durch Absprachen  
der Parteien statt. Diese Kungelei beschädigt die Würde des  
Amtes und schmälert die Akzeptanz des Staatsoberhaupts  
durch das Volk.  
Wahlprogramm Bundestagswahl 2017 | Verteidigung der Demokratie in Deutschland 9  
Wir wollen den Bundespräsidenten deshalb direkt durch  
das Volk wählen lassen.  
Dafür ist der Art. 54 des Grundgesetzes entsprechend zu  
ändern.  
1.9 Parteienfinanzierung dem Verfassungsrecht  
anpassen  
Mit der Parteienfinanzierung haben sich die etablierten  
Parteien ab 1954 eine ständig wachsende Finanzausstattung  
verschafft. Die „staatliche Teilfinanzierung“ in Höhe von  
jährlich ca. 160 Millionen Euro wird durch eine verdeckte  
Parteienfinanzierung von mittlerweile über 600 Millionen  
Euro bei weitem übertroffen. So halten wir zum Beispiel die  
für jeden Bundestagsabgeordneten zur Verfügung stehende  
„Mitarbeiterpauschale“ von 20.000 Euro monatlich für deut-  
lich überhöht. Hier wird keine wissenschaftliche Beratung  
geleistet, sondern eine Armee von Parteisoldaten bezahlt.  
Die AfD will die staatliche Parteienfinanzierung neu re-  
geln und deutlich reduzieren.  
Alle Mittel der Parteienfinanzierung sollen entgegen  
derzeitiger Praxis der unbeschränkten Kontrolle der Rech-  
nungshöfe unterliegen. Unabdingbar ist auch eine restriktive  
und Korruption vermeidende Neuordnung der Spendenrege-  
lungen. Ferner soll den deutschen Parteien endlich die Betei-  
ligung an Unternehmen, insbesondere Medienunternehmen,  
sowie die Annahme von Firmenspenden verboten werden.  
1.10 Freie Listenwahl und freies Mandat  
Die politische Klasse Deutschlands hat das Wahlrecht und  
die Wahlverfahren im Lauf der Zeit immer perfekter ausge-  
nutzt und angepasst, um den Einfluss des Volkes auf die Be-  
werberauswahl zu minimieren. Dem Wähler werden starre  
Wahllisten der Parteien zum Ankreuzen vorgelegt. Über die  
„sicheren Listenplätze“ bestimmen die Parteivorstände de  
facto die Zusammensetzung des Parlaments.  
Mit einer demokratischen Gestaltung des Wahlsystems  
will die AfD dem Wähler die Entscheidung über die perso-  
nelle Zusammensetzung der Parlamente zurückgeben.  
Wir treten für die „freie Listenwahl“ ein, mit der Möglich-  
keit des Kumulierens, Panaschierens und Streichens von  
Kandidaten.  
Ferner wollen wir eine deutliche Verringerung der etwa  
2.500 Parlamentarier Deutschlands mitsamt dem zugehö-  
rigen Verwaltungsapparat. Ein Bundestagsabgeordneter  
vertritt etwa 128.000 Einwohner, in den USA beträgt das  
Verhältnis 1:600.000. Wir wollen eine Verkleinerung des  
fast 700 Abgeordnete umfassenden Bundestags auf unter  
500\.  
1.11 Wider das Berufspolitikertum: Amtszeit  
begrenzen  
Die ungebrochene Tendenz zum Berufspolitikertum hat  
der Monopolisierung der Macht Vorschub geleistet und die  
unübersehbare Kluft zwischen Wählern und Gewählten ste-  
tig vergrößert. Vetternwirtschaft, Filz, korruptionsfördernde  
Strukturen und Lobbyismus waren und sind die Folge.  
10 Wahlprogramm Bundestagswahl 2017 | Verteidigung der Demokratie in Deutschland  
Um unser Ideal des Bürgerabgeordneten herzustellen,  
fordern wir eine Mandatszeitbegrenzung für Abgeordnete  
auf vier und für den Bundeskanzler auf zwei Legislaturpe-  
rioden.  
1.12 Lobbyismus eindämmen  
Wir wollen, dass Bundestagsabgeordnete ihre volle Ar-  
beitskraft der parlamentarischen Arbeit widmen. Das Man-  
dat darf nicht unter bezahlten Nebentätigkeiten leiden. Der  
überbordende Lobbyismus in Brüssel und Berlin muss ein-  
gedämmt werden. Wir wollen die Regelungen der Nebentä-  
tigkeiten für Parlamentarier und gegen Abgeordnetenbeste-  
chung deutlich verschärfen. Unseren eigenen Abgeordneten  
haben wir bereits jetzt über unsere Satzung entsprechende  
Regeln auferlegt. Ferner setzen wir uns für ein Lobbyis-  
ten-Gesetz mit konkreten Rechten, Pflichten und Sanktionen  
für Mandatsträger und Lobbyisten ein, das vorbildlichen  
Regelungen anderer Demokratien entspricht.  
1.13 Private Rentenvorsorge für Parlamentarier  
Bundestagsabgeordnete zahlen derzeit keine Rentenbeiträ-  
ge und erhalten nach wenigen Jahren bereits eine Altersver-  
sorgung, die ein Arbeitnehmer mittleren Einkommens nicht  
einmal nach 45 Beitragsjahren erreichen kann. Die AfD  
möchte das kostspielige und den Steuerzahler übermäßig  
belastende Versorgungsmodell für Abgeordnete grundlegend  
reformieren und es auf ein System privater Altersvorsorge  
umstellen.  
1.14 Einführung eines Straftatbestands der  
Steuerverschwendung  
Während Steuerhinterziehung auch vergleichsweise  
kleiner Beträge in Deutschland konsequent verfolgt und  
bestraft wird, bleibt die weit mehr gemeinwohlschädliche  
Steuerverschwendung straffrei. Horrende Baukostenüber-  
schreitungen, unsinnige Beschaffungsmaßnahmen und  
verschwenderische Prestigeprojekte von Amtsträgern und  
Behördenleitern bleiben nach der gegenwärtigen Rechtslage  
weitgehend ohne strafrechtliche Folgen für die Verantwort-  
lichen.  
Die AfD fordert daher die Einführung eines neuen Straf-  
tatbestands der Haushaltsuntreue.  
Die Regelung soll die Rechte der Steuerzahler stärken  
und die Bestrafung von groben Fällen der Steuerverschwen-  
dung durch Bedienstete und insbesondere herausgehobene  
Amtsträger ermöglichen.  
1.15 Bürgerlich-freiheitliche Rechtsordnung  
Die Prinzipien der Gleichheit vor dem Gesetz und der  
bürgerlichen Vertragsfreiheit gehören zu den großen zivilisa-  
torischen Errungenschaften Europas. Während des weitaus  
größten Teils der Menschheitsgeschichte gehörte es zur un-  
hinterfragten Normalität, dass Menschen durch Geburt oder  
Stand ungleich und in ihrer rechtlichen Selbstbestimmung  
beschränkt waren, bis hin zum Extrem der Rechtlosigkeit in  
Form von Leibeigenschaft oder Sklaverei. Erst die christliche  
und humanistische Kultur der europäischen Völker brachte  
die vorgenannten Prinzipien hervor und verwirklichte sie in  
Wahlprogramm Bundestagswahl 2017 | Verteidigung der Demokratie in Deutschland 11  
einem jahrhundertelangen Prozess. In den letzten Jahrzehnten  
ist erschreckenderweise eine Abkehr von diesen europäischen  
Grundwerten zu verzeichnen. Diesem zivilisatorischen Rück-  
schritt gilt es entgegenzutreten.  
Die Alternative für Deutschland tritt für die Gleichheit vor  
dem Gesetz ein. Deshalb lehnen wir sogenannte „Quotenrege-  
lungen“ ab.  
In Artikel 3 des Grundgesetzes heißt es: „Männer und  
Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsäch-  
liche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und  
Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile  
hin. Niemand darf wegen seines Geschlechtes benachteiligt  
oder bevorzugt werden.“ Diese Sätze haben einen klaren und  
guten Sinn. Das Recht, nicht vom Staat aufgrund des eigenen  
Geschlechts benachteiligt zu werden, ist ein individuelles  
Menschenrecht. Es kommt jedem Menschen in gleicher Weise  
zu. Manche Juristen vertreten die falsche These, Artikel 3 GG  
erlaube es dem Staat, einzelne Menschen „stellvertretend“ für  
ihr jeweiliges Geschlecht zu bevorzugen oder zu benachteili-  
gen, um die als Kollektive vorgestellten Geschlechter „gleich-  
zustellen“. Jedoch kann es in einem freiheitlichen Rechtsstaat  
niemals legitimes Ziel staatlichen Handelns sein, in willkürlich  
abgegrenzten gesellschaftlichen Teilbereichen eine ebenso  
willkürlich festgesetzte „Geschlechterquote“ zu erzwingen.  
Genauso wenig kann eine gesetzlich vorgeschriebene Ungleich-  
behandlung ein Mittel zur Verwirklichung von Gleichberech-  
tigung sein. Gesetze, die solches vorschreiben, sind verfas-  
sungswidrig und abzulehnen. Die AfD wird sich im Deutschen  
Bundestag für ihre Aufhebung einsetzen.  
1.15.1 Vertragsfreiheit bewahren  
Die Alternative für Deutschland tritt für die Bewahrung bzw.  
Wiederherstellung der bürgerlichen Selbstbestimmung im Zi-  
vilrechtsverkehr ein. Deshalb lehnen wir sogenannte ,,Antidis-  
kriminierungsgesetze“ ab. Zentraler Grundwert einer freiheit-  
lichen Zivilrechtsordnung ist die Vertragsabschlussfreiheit, das  
ist die Freiheit jedes Einzelnen, selbst darüber zu entscheiden,  
ob er mit einem anderen Bürger in rechtliche Beziehungen  
treten will oder nicht. Unter dem Einfluss der Europäischen  
Union wird dieses fundamentale Prinzip der Privatautonomie  
in der deutschen Gesetzgebung Schritt für Schritt zerstört.  
In einer freiheitlichen Grundordnung ist der Staat in seinem  
Handeln gegenüber dem Bürger der Pflicht zur Gleichbehand-  
lung unterworfen der Bürger selbst jedoch ist in der Gestaltung  
seiner privaten Rechtsverhältnisse frei.  
Eine Aufhebung dieser Trennung zwischen Staat und Gesell-  
schaft beschädigt die freiheitliche Natur der Rechtsordnung  
und öffnet die Tür für eine in letzter Konsequenz totalitäre  
Herrschaftsordnung. Die AfD wird sich im Deutschen Bun-  
destag gegen diese Entwicklung und für die Bewahrung einer  
freiheitlichen Privatrechtsordnung einsetzen.  
12 Wahlprogramm Bundestagswahl 2017 | Verteidigung der Demokratie in Deutschland  
K A P I T E L 2  
Der EURO ist gescheitert:  
Währung, Geld- und  
Finanzpolitik  
2.1 Die weitere Mitgliedschaft in der Eurozone ist  
für Deutschland unbezahlbar  
Die Geschäftsgrundlage des Euro war: Keine Haftung für  
die Schulden anderer Länder und keine Staatsschulden über  
60 Prozent des jeweiligen Bruttoinlandsprodukts. Diese  
Regeln sind zerstört worden.  
Deshalb muss Deutschland die Transferunion aufkündi-  
gen und den Euroraum verlassen.  
2.2 Sparer und Rentner vor Enteignung durch die  
EZB schützen  
Die EZB sollte eine zweite Bundesbank sein. Stattdessen  
betreibt sie eine Währungspolitik der unwirtschaftlichen  
Zinsen (Nullzinspolitik). Dies zerstört alle kapitalgedeckten  
Alterssicherungssysteme von Betriebsrenten, über staatlich  
geförderte Rentensysteme, private Lebensversicherungen  
bis zu privaten Sparvermögen. Seit dem Amtsantritt von  
Gouverneur Draghi fehlen rund 500 Milliarden Euro für die  
Altersvorsorge der Deutschen. Die AfD fordert die Durchset-  
zung des vertraglichen Verbots der Staatsfinanzierung und  
eine Rückführung der Befugnisse der EZB auf Geldpolitik  
im engeren, klassischen Sinn. Alle Maßnahmen der EZB zur  
Manipulation des freien Kapitalmarkts müssen eingestellt  
werden. Eine Politik der künstlich herbeigeführten Null- und  
Negativzinsen führt zur Zerstörung der zentralen Märkte für  
Anleihen. Die durch die EZB-Politik verursachte Wechsel-  
kursabwertung und die Preisexplosion am Aktien- und Im-  
mobilienmarkt zerstören die Kaufkraft von nicht so schnell  
steigenden Einkünften, wovon insbesondere Arbeitnehmer  
und Rentner betroffen sind.  
Während die Bundesbank nur einmal in 50 Jahren Staats-  
anleihen gekauft hat, ist das für die EZB das tägliche „Ge-  
schäftsmodell“. Bis Ende 2016 hat sie für über zwei Billionen  
Euro staatliche und private Anleihen erworben. Eine solche  
„Rotation der Gelddruckmaschine“ ist nach den europäi-  
schen Verträgen verboten.  
Der Euro ist für ein Wirtschaftsgebiet mit völlig unter-  
schiedlich leistungsfähigen Volkswirtschaften eine Fehlkon-  
struktion. Nach achtzehn Jahren Spannungsaufbau kann  
die Gemeinschaftswährung nur noch über permanente und  
weitgehend deutsche Haftungsübernahmen aufrechterhalten  
werden. Dies ist keine Basis für die gedeihliche Entwick-  
lung der Volkswirtschaften der Euroländer. Die Folge ist  
eine dauerhaft hohe Arbeitslosigkeit im Süden Europas. Die  
Jugendarbeitslosigkeit liegt in Spanien und Griechenland  
bei über 40 Prozent, in Italien bei über 35 Prozent und in  
Frankreich bei über 25 Prozent. Es entwickeln sich „verlore-  
ne Generationen“. Die Völker Europas werden diese Ent-  
wicklung nicht klaglos hinnehmen und sich zu Recht gegen  
die politischen Eliten auflehnen.  
Die suprastaatliche Rettungspolitik verletzt geltendes  
Recht, darunter das Verbot der Staatsfinanzierung durch die  
EZB und das Verbot der Haftung für Schulden anderer Mit-  
gliedstaaten (Art. 123 und 125 AEUV). Die Rettungspolitik  
bricht alle den Wählern seit den 1990er Jahren gegebenen  
Zusicherungen zur „niemals zugelassenen Haftung Deutsch-  
lands für Fremdschulden“.  
Willkürliche „Rettungsmaßnahmen“ zugunsten einzelner  
Banken und Unternehmen oder gar eine „EU-Wirtschafts-  
regierung“ lehnen wir ab.  
14 Wahlprogramm Bundestagswahl 2017 | Der EURO ist gescheitert: Währung, Geld- und Finanzpolitik  
Dies sind vertragswidrige Eingriffe in die Marktwirtschaft  
und in die demokratischen Entscheidungsstrukturen der  
beteiligten Nationalstaaten.  
Die AfD ist sich bewusst, dass die Rückabwicklung einer  
fast 20 Jahre zurückliegenden Fehlentscheidung finanziell  
schwierig sein wird. Solche Kosten werden jedoch niedriger  
sein als die eines weiteren Verbleibs im Eurosystem, da  
dessen weitere Entwicklung bezüglich der Fremdhaftung  
und der Zinseinbußen unabsehbar und daher in den Kosten  
nicht zu begrenzen ist.  
2.3 Erhalt des Bargelds  
Unser Bargeld ist in Gefahr. Mit Unterstützung von Bun-  
desregierung, Internationalem Währungsfonds und Euro-  
päischer Zentralbank wird seine schleichende Abschaffung  
vorbereitet.  
Die AfD fordert den dauerhaften Erhalt der uneinge-  
schränkten Bargeldnutzung als wichtiges bürgerliches  
Freiheitsrecht.  
Mit der Abschaffung des Bargelds würde die Rolle des  
Geldes als unantastbarer und gebührenfreier Wertspeicher  
eingeschränkt. Eine Abschaffung des Bargelds macht für den  
Krisenfall die Enteignung von Kontoinhabern möglich. Bar-  
geld ist ein natürliches Bollwerk gegen eine weitere Absen-  
kung der Zinsen bis in den negativen Bereich.  
Ein Bargeldverbot würde bedeuten, dass Zahlungsvorgän-  
ge nur noch elektronisch stattfinden können. Dies eröffnet  
Staat und Banken die totale Kontrolle über alle Geldströme  
und Wirtschaftsaktivitäten, über jede finanzielle Handlung  
der Bürger, unter Umständen sogar über deren Aufenthalts-  
orte. Aus dem gläsernen Bankkunden würde der gläserne  
Mensch – Vollüberwachung bis hinein in private, ja intime  
Lebensbereiche. Mit einem freiheitlichen Rechtsstaat sind  
solche Kontrollmöglichkeiten nicht vereinbar.  
2.4 Keine deutsche Haftung für ausländische  
Banken  
Die AfD verlangt, dass die deutschen Banken etwaige  
Haftungen auf die nationale Ebene begrenzen und wie bisher  
eigene Verbundlösungen schaffen können, die den unter-  
schiedlichen Profilen der Bankengruppen Rechnung tragen.  
Wir wenden uns gegen jegliche Versuche der europäischen  
Vergemeinschaftung von Haftungsrisiken, insbesondere aus  
Bankgeschäften.  
Die „Bankenunion“ wäre ein weiterer Schritt in die von  
der AfD abgelehnte Haftungs- und Transferunion. Wir  
treten dafür ein, die nationale Souveränität über die Ban-  
ken- und Finanzdienstleistungen wiederherzustellen; dieser  
Wirtschaftsbereich ist für ein reibungsloses Funktionieren  
unserer Volkswirtschaft lebenswichtig.  
Die grenzüberschreitende Haftung der deutschen Banken  
für alle anderen EU-Banken muss ausgeschlossen bleiben.  
Als Sofortmaßnahme, noch vor einem „D-Exit“, fordert  
die AfD darum die Bundesregierung und die Deutsche  
Bundesbank auf, die politisch bislang geduldete Überbean-  
spruchung des Verrechnungskontos „Target-2“ zu beenden.  
Wahlprogramm Bundestagswahl 2017 | Der EURO ist gescheitert: Währung, Geld- und Finanzpolitik 15  
Derzeit hat die Bundesbank offene Forderungen in Höhe von  
über 800 Milliarden Euro gegenüber der EZB, deren Betrei-  
bung mangels hinterlegter Sicherheiten ungewiss ist.  
Bis zum Ausstieg aus dem Euro sind diese gefährdeten  
Target-2-Forderungen der Bundesbank abzuschmelzen,  
jährlich an Stichtagen glattzustellen oder mit Sicherheiten zu  
unterlegen. Alternativ wird die Bundesbank beauftragt, diese  
Forderungen abzuschmelzen, indem sie Sachwerte in den  
Schuldnerstaaten ankauft.  
2.5 Mit uns ist Ihr Geld sicher: Absicherung der  
Bürger gegen eine Eurokrise  
Deutschland muss auch in einem plötzlichen währungspo-  
litischen Krisenfall handlungsfähig sein.  
Wir wollen deshalb für die Wiedereinführung einer neuen  
nationalen Währung („Deutsche Mark“) rechtzeitige Vor-  
kehrungen treffen. Für den Fall einer Verschärfung der  
Finanzkrise wollen wir schon jetzt vorsorglich ein gesetzli-  
ches Maßnahmenpaket auf den Weg bringen. Das im Aus-  
land gelagerte Gold der Bundesbank muss vollständig und  
umgehend nach Deutschland überführt werden. Bei der  
Wiedereinführung der Deutschen Mark könnte Deutschland  
das Gold als temporäre Deckungsoption benötigen.  
16 Wahlprogramm Bundestagswahl 2017 | Der EURO ist gescheitert: Währung, Geld- und Finanzpolitik  
K A P I T E L 3  
Außen- und Sicherheitspolitik:  
Deutsche Interessen  
durchsetzen  
3.1 Außenpolitik muss sich an deutschen  
Interessen ausrichten  
Deutschland ist als eine der bedeutenden Wirtschaftsnati-  
onen der Welt daran interessiert, zu allen Staaten gute Bezie-  
hungen zu pflegen und das friedliche Zusammenleben der  
Völker zu fördern. Die AfD bekennt sich zu den Werten der  
Charta der Vereinten Nationen und des Völkerrechts. Wir  
setzen uns für eine an deutschen Interessen ausgerichtete  
Außenpolitik ein.  
Deutschland braucht eine nationale Sicherheitsstrategie,  
die der Problemlage angepasst ist. Als Gestaltungsmacht  
innerhalb der Staatengemeinschaft kann unser Land zur  
Krisenprävention und friedlichen Lösung von Konflikten  
beitragen.  
Die Zukunft Europas liegt nicht in der EU in ihrem jetzigen  
Zustand und auch nicht in ihrer weiteren Zentralisierung,  
sondern in einem Europa souveräner Staaten, die partner-  
schaftlich zusammenarbeiten.  
Die AfD tritt dafür ein, die Vereinten Nationen so zu re-  
formieren, dass den veränderten Gewichtungen in der Welt  
Rechnung getragen wird.  
Wir streben einen ständigen Sitz Deutschlands im Si-  
cherheitsrat sowie die Abschaffung der gegen Deutschland  
gerichteten Feindstaatenklausel in der Charta der Vereinten  
Nationen an.  
Die AfD fordert eine strikte Einhaltung des Nichteinmi-  
schungsgrundsatzes in innere Angelegenheiten von Staaten,  
auch durch nichtstaatliche Akteure. Die AfD setzt sich dafür  
ein, dass die Rolle der OSZE bei der Stabilisierung von  
Krisenregionen in Europa und seiner Peripherie ausgebaut  
wird.  
Der internationale islamische Terrorismus ist eine ernste  
Bedrohung der internationalen Staatengemeinschaft. Seine  
Entstehung und Ausbreitung muss mit allen zur Verfügung  
stehenden legalen Mitteln bekämpft werden.  
3.2 Das Verhältnis zu wichtigen Staaten  
ändert sich  
Die USA sind der wichtigste Bündnispartner Deutschlands.  
Leitbild einer interessengeleiteten deutschen Außen- und  
Sicherheitspolitik ist die Gleichberechtigung beider Partner.  
Die zunehmende Fokussierung der USA auf den pazifischen  
und ostasiatischen Raum erfordert eine autonome deutsche  
Sicherheitsstrategie.  
Im Einklang mit den langjährigen Forderungen der USA  
nach einer gerechten Verteilung der Lasten und den europä-  
ischen Bestrebungen nach mehr Mitsprache in der NATO ist  
es nur folgerichtig und in deutschem Interesse, den euro-  
päischen Einfluss in der NATO zu stärken. Die NATO muss  
wieder ein reines Verteidigungsbündnis werden. Die Landes-  
verteidigung ist durch die europäischen Staaten weitgehend  
eigenständig zu gewährleisten.  
Die Schaffung einer EU-Armee oder den Einsatz deut-  
scher Streitkräfte für fremde Interessen lehnt die AfD ab.  
18 Wahlprogramm Bundestagswahl 2017 | Außen- und Sicherheitspolitik: Deutsche Interessen durchsetzen  
Eine Entspannung im Verhältnis zu Russland ist für die  
AfD Voraussetzung für einen dauerhaften Frieden in Europa.  
Es liegt im deutschen Interesse, Russland in eine sicherheits-  
politische Gesamtstruktur einzubinden, ohne eigene Interes-  
sen und die unserer Bündnispartner außer Acht zu lassen.  
Die AfD tritt für die Beendigung der Sanktionspolitik ein.  
Die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Russland sollte  
vielmehr vertieft werden.  
Die Beziehungen zur Türkei sind dagegen erschüttert und  
müssen neu gestaltet werden.  
Die Türkei gehört kulturell nicht zu Europa. Die aktuel-  
len politischen Entwicklungen geben Anlass zur Sorge und  
zeigen, dass sich die Türkei noch weiter von Europa und der  
westlichen Wertegemeinschaft entfernt hat. Die Mitglied-  
schaft der Türkei in der NATO ist zu beenden, die Bundes-  
wehr aus Incirlik abzuziehen und alle direkt und indirekt an  
die Türkei im Rahmen internationaler, mulitilateraler und  
bilateraler Abkommen gewährten Geldleistungen umgehend  
zu stoppen.  
Die AfD lehnt ferner den Beitritt der Türkei zur EU ab und  
fordert das sofortige Ende aller Beitrittsverhandlungen.  
3.3 Deutschland muss sich selbst verteidigen  
Die AfD fordert die Rückkehr der Streitkräfte zur Einsatz-  
bereitschaft. Deren Aufgaben ergeben sich aus dem Grund-  
gesetz und der Bedrohungslage. Derzeit genügt die Bundes-  
wehr diesem Anspruch weder strukturell und personell noch  
materiell. Das ist angesichts der gegenwärtigen Bedrohung  
Europas und der geopolitischen Neuausrichtung der USA  
gefährlich und daher inakzeptabel.  
Die deutschen Streitkräfte sind so zu reformieren, dass  
deren Einsatzbereitschaft auch bei Einsätzen mit höchster  
Intensität gewährleistet ist. Dazu sind umfangreiche struk-  
turelle, personelle und materielle Veränderungen unabding-  
bar.  
Die Wehrpflichtarmee hat der Bundesrepublik Deutsch-  
land über mehr als fünf Jahrzehnte gute Dienste geleistet.  
Rechtfertigung der Wehrpflicht ist die Bedrohungslage, die  
sich in absehbarer Zeit nicht ändern wird. Die allgemeine  
Wehrpflicht verwurzelt die Streitkräfte in der Gesellschaft.  
Dazu könnte der Wiederaufbau von Heimatschutzkräften  
oder ein Milizsystem nach Schweizer Vorbild mit kurzer  
Präsenzpflicht geeignet sein.  
Die AfD fordert die Wiedereinsetzung der Wehrpflicht.  
3.4 Die AfD fordert eine nationale  
Sicherheitsstrategie  
Die AfD plädiert für einen ganzheitlichen Ansatz beim  
Schutz von Staat, Wirtschaft und Bürgern. Dazu gehören  
sowohl militärische als auch zivile Komponenten. Wissens-  
und Technologiediebstahl müssen verhindert werden. Im  
Zeitalter hybrider Bedrohungen und von „Cyberangriffen“  
durch staatliche und nichtstaatliche Akteure sowie durch  
Terrorismus gewinnt eine zivil-militärische Zusammenarbeit  
an Bedeutung. Die gesamte Versorgung und Verwaltung des  
Landes hängen von einer widerstandsfähigen Infrastruktur  
ab. Staat und Bürger müssen gegen gewaltbereite Akteure,  
Wahlprogramm Bundestagswahl 2017 | Außen- und Sicherheitspolitik: Deutsche Interessen durchsetzen 19  
die sich bereits legal oder illegal im Land befinden, geschützt  
werden. Zu erreichen ist dies durch neue dezentralisierte  
Strukturen mit zentraler Koordination und allzeit verfügbare  
schnelle Reaktionskräfte.  
Die AfD fordert eine nationale Sicherheitsstrategie mit  
einer jährlich stattfindenden Debatte zur deutschen Sicher-  
heitspolitik im Bundestag sowie einer entsprechenden Regie-  
rungserklärung des Bundeskanzlers.  
Das Schengen-Abkommen betrachten wir als gescheitert, da  
eine wirksame Kontrolle der Außengrenzen nicht gegeben ist.  
Es muss deshalb wieder ein deutscher Grenzschutz auf-  
gebaut werden, der die Staatsgrenzen zu schützen vermag,  
wobei der freie Personen- und Güterverkehr zu gewährleis-  
ten ist.  
3.5 Deutschland soll seine wirtschaftlichen  
Stärken ausbauen  
Die AfD fordert die Wahrnehmung deutscher Wirtschaftsin-  
teressen im gleichen Maß wie auch andere Länder ihre eigenen  
Interessen vertreten. Die Förderung der Außenwirtschaft muss  
auf Regierungsebene hohe Priorität genießen.  
Die AfD fordert den diskriminierungsfreien Zugang zu aus-  
ländischen Import- und Exportmärkten für deutsche Unter-  
nehmen. Dazu gehören auch der Zugang zu Rohstoffen und die  
Freiheit der Handelswege.  
Verlässliche Handelsregeln zu erhalten und nach den Inte-  
ressen unseres Landes weiterzuentwickeln, ist Kernaufgabe  
deutscher Außenwirtschaftspolitik.  
Wir fordern außerdem eine stärkere Kontrolle und Berück-  
sichtigung gesamtwirtschaftlicher deutscher Interessen, wenn  
ausländische Konzerne eine deutsche Firma übernehmen  
wollen. Gegebenenfalls ist die Übernahme zu unterbinden.  
Dies gilt insbesondere, wenn staatlich kontrollierte ausländi-  
sche Unternehmen beteiligt sind oder der Abfluss wichtiger  
Technologien zu befürchten ist.  
Der Ausverkauf von Wissen, das in unserem Land in Gene-  
rationen aufgebaut wurde, muss beendet werden.  
Die Anmaßung supranationaler Gerichte ist zu beenden.  
Im Ausland verhängte Strafzahlungen in volkswirtschaftli-  
chen Dimensionen bedrohen deutsche Unternehmen in ihrer  
Existenz. Wir werden auf der politischen Ebene gegen solche  
gezielte Zerstörung deutscher Unternehmen intervenieren.  
Die Interessen unserer Bürger im Gesundheits- und Ver-  
braucherschutz, im Tier- oder Naturschutz müssen in einer  
globalisierten Welt vertreten werden. Dafür brauchen wir  
hohe Schutzstandards und einen eindeutigen Umgang mit  
unterschiedlichen Standards.  
Wir wollen multilaterale Handelsabkommen im Rahmen  
der Welthandelsorganisation (WTO). Bilaterale Handelsver-  
träge sollen nur abgeschlossen werden, wenn multilaterale  
Handelsverhandlungen nicht durchführbar sind. Investitions-  
schutzverträge sollen nur abgeschlossen werden, wenn sie  
20 Wahlprogramm Bundestagswahl 2017 | Außen- und Sicherheitspolitik: Deutsche Interessen durchsetzen  
auch deutsche Unternehmen gegen unsichere Rechtsverhält-  
nisse absichern. Alle Abkommen müssen in transparenten  
Verfahren verhandelt werden.  
Die AfD lehnt aus den dargelegten Gründen CETA, TISA  
und TTIP ab.  
Dort, wo im Freihandel die Märkte versagen, soll die Han-  
delspolitik korrigierend eingreifen. Mit einer strategischen  
Handelspolitik nehmen wir die Interessen unserer Bürger  
wahr und schützen ihre Arbeitsplätze im globalen Wettbe-  
werb. Die AfD fordert die Bündelung der Außenwirtschafts-  
förderung im Bundesministerium für Wirtschaft.  
3.6 Entwicklungspolitik: Stabilität als Sicherheits-  
und Wirtschaftsinteresse  
Nach 50 Jahren Entwicklungspolitik ist das Ergebnis er-  
nüchternd. Beispielsweise ist Afrika heute trotz (oder wegen)  
aller Hilfen nur mit rund zwei Prozent am Welthandel be-  
teiligt. Durch das rapide Bevölkerungswachstum werden die  
Ergebnisse der Entwicklungspolitik wieder zunichtegemacht.  
Die AfD fordert einen grundsätzlichen Strategiewechsel in  
der Entwicklungspolitik.  
Dabei sollten die deutsche und die europäische Entwick-  
lungshilfepolitik sich bewusst sein, dass die Dimension des  
afrikanischen Problems (2015 1,2 Milliarden Einwohner;  
2050 prognostizierte 2,4 Milliarden Einwohner) so gewaltig  
ist, dass auch durch eine optimierte Entwicklungshilfepolitik  
dem Kontinent von außen nicht nachhaltig geholfen werden  
kann.  
Die AfD tritt für einen weiter gefassten Ansatz in der Ent-  
wicklungspolitik ein, welcher auch deutschen Sicherheits-  
und Wirtschaftsinteressen Rechnung trägt.  
Partnerländer und Projekte müssen unter Berücksichti-  
gung von Erfolgspotenzial, Nachhaltigkeit und des mögli-  
chen Eigenanteils ausgewählt werden. Hilfe soll primär Hilfe  
zur Selbsthilfe sein.  
Wenn Länder in die Lage versetzt werden, sich aus eigener  
Kraft weiterzuentwickeln, verringert dies den Anreiz, nach  
Europa und insbesondere Deutschland auszuwandern.  
Durch Massenzuwanderung wird die Instabilität Deutsch-  
lands und Europas verstärkt, ohne die Probleme in den  
Krisenregionen zu lösen.  
Die Entwicklungsländer müssen gerechter in das inter-  
nationale Handelssystem einbezogen werden mit Erleich-  
terungen für deren Ausfuhren in die Industrieländer und  
einem angemessenen Schutz für den Aufbau der eigenen  
Wirtschaftsentwicklung. Marktwirtschaftliche Strukturen in  
allen Bereichen sollen gefördert werden. Das bedeutet eine  
weitgehende Beteiligung der Privatwirtschaft an Entwick-  
lungsprojekten.  
Statt Finanztransfers fordern wir die Öffnung unserer  
Märkte für Produkte aus Entwicklungsländern. Zugleich  
wollen wir deutsche Unternehmer dabei unterstützen, in  
diese Länder zu investieren und dortige Unternehmer bei  
der Professionalisierung ihrer Tätigkeit fördern.  
Wahlprogramm Bundestagswahl 2017 | Außen- und Sicherheitspolitik: Deutsche Interessen durchsetzen 21  
K A P I T E L 4  
Innere Sicherheit  
Der Terroranschlag auf den Weihnachtsmarkt an der  
Berliner Gedächtniskirche war der vorläufige Tiefpunkt einer  
ganzen Serie von Ereignissen, die zeigen, dass es um unsere  
Sicherheit schlecht bestellt ist. Terror und Kriminalität sind  
keine Naturereignisse, die man kritiklos hinnehmen muss.  
Sie sind menschengemacht und haben Ursachen, die man  
bekämpfen kann. Genau das wollen wir tun.  
4.1 Wirksame Bekämpfung der Ausländer-  
kriminalität  
Der erhebliche Anteil von Ausländern gerade bei der  
Gewalt- und Drogenkriminalität führt derzeit viel zu selten  
zu ausländerrechtlichen Maßnahmen. Insbesondere können  
sich ausländische Kriminelle sehr häufig auf Abschiebungs-  
hindernisse berufen und sind auf diese Weise von Abschie-  
bung verschont.  
Wir fordern daher:  
Erleichterung der Ausweisung, insbesondere die Wieder-  
einführung der zwingenden Ausweisung auch schon bei  
geringfügiger Kriminalität  
Verhängung der Ausweisung bereits durch die Strafge-  
richte  
Ermöglichung der Unterbringung nicht abschiebbarer  
Krimineller im Ausland aufgrund bilateraler Vereinba-  
rungen mit geeigneten Staaten.  
Die Einbürgerung Krimineller ist zuverlässig zu verhin-  
dern durch:  
Verhinderung des Erwerbs der deutschen Staatsangehö-  
rigkeit durch bloße Geburt in Deutschland, weil hier-  
durch u.a. Angehörige krimineller Clans automatisch zu  
deutschen Staatsbürgern werden können  
Abschaffung des einklagbaren Anspruchs auf Einbürge-  
rung  
Verschärfung der Ausschlussgründe für Einbürgerung  
bei Kriminalität  
In folgenden Fällen soll eine Rücknahme der  
Einbürgerung erfolgen:  
bei erheblicher Kriminalität innerhalb von zehn Jahren  
nach erfolgter Einbürgerung  
bei Mitwirkung in Terrororganisationen (z.B. IS)  
bei Zugehörigkeit zu kriminellen Clans und zwar auch  
dann, wenn die Rücknahme der Einbürgerung zur Staa-  
tenlosigkeit führt  
Hierzu ist Art. 16 Abs. 1 GG entsprechend zu ändern.  
4.2 Vollstreckung im Ausland  
Zur Entlastung der innerdeutschen Justizvollzugsanstal-  
ten, aber auch zur Erhöhung der Abschreckungswirkung des  
Strafvollzuges, sind für ausländische Straftäter durch Verein-  
barungen mit ausländischen, möglichst heimatnahen Staaten  
dort Vollzugsanstalten einzurichten, die den Anforderungen  
der EMRK entsprechen, unter deutscher Leitung und der An-  
wendung deutschen Rechts stehen und zu denen jederzeitiger  
Zugang zu dienstlichen Zwecken ebenso möglich ist wie der  
Besuch von Angehörigen und Rechtsanwälten.  
Wahlprogramm Bundestagswahl 2017 | Innere Sicherheit 23  
4.3 Jugendstrafrecht  
Die Sicherheitslage verschärft sich vor allem in Ballungs-  
gebieten dramatisch. Eine besondere Rolle hierbei spielen  
gerade junge Täter, denen derzeit ein geradezu zahnloses  
Recht gegenübersteht. Erzieherische Erfolge in diesem  
Segment lassen sich erfahrungsgemäß nur durch sofortige  
Inhaftierung der Täter schwerer Delikte erreichen.  
Wir fordern daher eine entsprechende Änderung der ein-  
schlägigen Gesetze, insbesondere des Haftrechts. Wegen der  
immer früher einsetzenden kriminellen Entwicklung muss  
das Strafmündigkeitsalter auf zwölf Jahre abgesenkt und mit  
dem Erreichen der Volljährigkeit auch das Erwachsenen-  
strafrecht Anwendung finden.  
4.4 Reform der Polizei  
Die öffentliche Sicherheit ist trotz großen persönlichen  
Einsatzes der Polizeibeamten in Bund und Ländern nicht an-  
gemessen gewährleistet: Personalmangel, strukturelle Unzu-  
länglichkeiten, unzureichende Ausrüstung und Bewaffnung  
treffen auf schlechte Bezahlung und zum Teil empörend mi-  
serable soziale Absicherung. Durch höchst unterschiedliche  
Arbeitsbedingungen machen sich Bund und Länder zudem  
untereinander Konkurrenz und jagen sich gegenseitig die  
besten Beamten ab. Damit muss endlich Schluss sein.  
Die AfD fordert daher:  
Neustrukturierung der Bundespolizeien unter einheitli-  
cher Führung  
Überführung der Bereitschaftspolizeien der Länder in  
die Bundespolizei  
Wiederbelebung des Einsatzes von Wehrpflichtigen im  
Grenzdienst  
Gleiche Besoldung bundesweit durch eine eigene Besol-  
dungsordnung für Polizei, Soldaten und Rettungsdienste  
mit einer der jeweiligen Gesundheits- bzw. Lebensge-  
fährdung angemessenen Zusatzvergütung  
Bezahlte Überstunden und Sondereinsätze  
Bundeseinheitliche Uniformen  
Bundeseinheitliche, modernste und lageangepasste Be-  
waffnung und Ausrüstung (u.a. Bodycam, Taser)  
Bundeseinheitliche Dienstvorschriften  
Wiederherstellung der freien Heilfürsorge mit privatärzt-  
licher Behandlung  
Übernahme von Dienstunfähigkeits- und Diensthaft-  
pflichtversicherung durch den Dienstherrn  
Witwen- und Waisenrenten in Höhe der Pensions-  
ansprüche des Endamtes bei Tod durch qualifizierten  
Dienstunfall  
4.5 Bessere Fahndungsmöglichkeiten  
Für die Verbesserung der Fahndungsmöglichkeiten sollen  
die Polizeibehörden an kriminalitätsneuralgischen öffent-  
lichen Plätzen und Gebäuden eine Videoüberwachung mit  
Gesichtserkennungssoftware einsetzen können. Bei der  
Fahndung nach unbekannten Tätern soll es erlaubt werden,  
vorhandenes DNA-Spurenmaterial auch auf körperliche und  
biogeografische Merkmale der gesuchten Person untersu-  
chen zu lassen, um so zielgerichtete Fahndungsmaßnahmen  
zu ermöglichen.  
24 Wahlprogramm Bundestagswahl 2017 | Innere Sicherheit  
4.6 Organisierte Kriminalität bekämpfen  
Die Organisierte Kriminalität (OK) muss nachhaltig be-  
kämpft werden. Dazu gehört, Gewinne aus Straftaten besser  
abzuschöpfen und folgerichtig die bereits bestehenden recht-  
lichen Instrumente des Verfalls und der Einziehung besser  
zu nutzen. Die Mehrzahl der Täter im Bereich der Organi-  
sierten Kriminalität sind Ausländer. Sie auszuweisen, muss  
vereinfacht werden. Deshalb ist für diesen Personenkreis bei  
entsprechendem Verdacht die OK-Zugehörigkeit als Auswei-  
sungsgrund einzuführen.  
4.7 Sicherheit der Bürger verbessern  
Auf Vorschlag der EU-Kommission hat das EU-Parlament  
in Reaktion auf die Terroranschläge von Paris im November  
2015 die EU-Feuerwaffenrichtlinie geändert. Damit kommt  
es zu einer weiteren Verschärfung des Waffenrechts. Betrof-  
fen von der Verschärfung eines ohnehin schon restriktiven  
Waffenrechts sind vor allem legale Waffenbesitzer, Sport-  
schützen, Jäger und Waffensammler. Die illegalen Waffen,  
die für terroristische Anschläge benutzt werden, werden  
davon nicht erfasst. Die Umsetzung der EU-Feuerwaffen-  
richtlinie lehnen wir ab. Der Erwerb des Waffenscheins für  
gesetzestreue Bürger ist zu erleichtern.  
Gleichzeitig fordern wir eine Erhöhung des Mindest-  
strafmaßes für „gefährliche Körperverletzung mittels eines  
gefährlichen Werkzeugs“ (§ 224 Abs. 1 Nr. 2 StGB, also bei  
Verwendung eines Messers oder eines ähnlichen Gegenstan-  
des, auf Freiheitsstrafe von einem Jahr (statt bisher sechs  
Monaten oder drei in minderschweren Fällen).  
4.8 Abmahnvereine abschaffen  
Die Durchsetzung des Rechts ist Sache des Staates. Dieser  
hat das Gewaltmonopol und muss dafür Sorge tragen, dass  
das Recht korrekt angewandt wird.  
Der Abmahnindustrie, die das Urheberrecht missbraucht,  
um von unbescholtenen Bürgern im Internet jährlich Milli-  
onenbeträge abzukassieren, will die AfD einen gesetzlichen  
Riegel vorschieben.  
4.9 Erstattungsfähigkeit vorgerichtlicher  
Inkassokosten gesetzlich unterbinden  
Inkassobüros stellen Schuldnern regelmäßig horrende  
Kosten dafür in Rechnung, dass sie Gläubigern deren urei-  
gene Arbeit der Schuldnerverwaltung und vorgerichtlicher  
Forderungsbeitreibung abnehmen. Dem soll – mit Ausnah-  
me zugunsten der rechtsberatenden Berufe – ein Riegel vor-  
geschoben werden. Im deutschen Bürgerlichen Gesetzbuch  
(BGB) gilt der Grundsatz, dass der jeweilige Gläubiger einer  
Forderung diese selbst zu verwalten und gegebenenfalls auch  
beizutreiben hat: Das Mahnwesen unterfällt dem originä-  
ren Geschäftsbereich eines kaufmännisch eingerichteten  
Gewerbebetriebs. Die durch Einschaltung eines Inkassoun-  
ternehmens verursachten Kosten sind dem Schuldner daher  
grundsätzlich nicht zuzurechnen. Grundsätzlich obliegt das  
Forderungsmanagement dem Gläubiger auf eigene Kosten  
selbst. Gleichwohl werden in der Praxis unter Ausnutzung  
von Regelungslücken in der Rechtsprechung Schuldnern  
nach wie vor völlig überzogene Kosten für Inkassoleistun-  
gen bei der Forderungsbeitreibung, auch zu Zwecken der  
Einschüchterung, in Rechnung gestellt. Die AfD fordert eine  
Wahlprogramm Bundestagswahl 2017 | Innere Sicherheit 25  
gesetzliche Regelung, dass die Beitreibung von Forderungen  
als originäre Aufgabe eines jeden Gläubigers keinesfalls dem  
Schuldner durch Einschaltung Dritter, insbesondere von  
Inkassobüros, aufgebürdet werden darf. Dies gilt nur inso-  
weit nicht, als die Einschaltung eines Rechtsanwaltes ins-  
besondere zur Vorbereitung einer gerichtlichen Beitreibung  
unabdingbar erforderlich ist. Dessen Gebühren sind bereits  
gesetzlich im Rechtsanwaltsvergütungsgesetz geregelt.  
26 Wahlprogramm Bundestagswahl 2017 | Innere Sicherheit  
K A P I T E L 5  
Asyl braucht Grenzen:  
Zuwanderung und Asyl  
5.1 Die demografischen Probleme Europas  
und Afrikas  
Während die europäische Bevölkerung überaltert und  
schrumpft, explodiert die Bevölkerungszahl in Afrika und in  
den arabisch-muslimischen Ländern des Nahen und Mittleren  
Ostens. In Afrika bekommt jede Frau im Durchschnitt 4,5  
Kinder. Gleichzeitig nimmt die Kindersterblichkeit dank inter-  
nationaler Hilfe stark ab. Die Geburtenrate in Europa liegt  
demgegenüber bei 1,6 – in Deutschland sogar nur bei 1,4.  
Dies bedeutet, dass in der Zeit bis 2050 die Population  
Afrikas, einschließlich aller arabischen Länder, von heute 1,2  
Milliarden Menschen auf 2,4 Milliarden wachsen wird. Die  
derzeit in Europa lebenden rund 590 Millionen Menschen  
werden sich im gleichen Zeitraum zahlenmäßig auf ca. 540  
Millionen verringern, wovon ein Drittel über 60 Jahre alt  
sein wird.  
Im Verhältnis zum wohlhabenden Europa stellt Afrika  
ein Armenhaus der Welt dar. Aus beiden Ursachen – dem  
Bevölkerungswachstum Afrikas und dem Wohlstandsgefälle  
zu Europa – entsteht ein Wanderungsdruck, der Dimensi-  
onen einer Völkerwanderung hat. Sozialgeografische Fach-  
leute sind seit langem in der Lage, diesen Wanderungsdruck  
zu quantifizieren. Im arabischen Raum werden 23 Prozent  
der Bevölkerung als auswanderungswillig eingeschätzt, in  
Afrika unterhalb der Sahara etwa 37 Prozent. In absoluten  
Zahlen sind dies derzeit rund 350 Millionen wanderungs-  
willige Menschen, überwiegend junge Männer. Bis 2050  
wird sich deren Zahl auf rund 950 Millionen erhöhen. Eine  
zunehmende Zahl sogenannter „Failed States“ und fehlende  
Geburtenkontrollen tragen ihren Teil zu dieser schier unlös-  
baren Situation bei.  
Vor diesem Problemhintergrund ist offensichtlich, dass  
Wanderungsbewegungen von Afrika nach Europa im zu  
erwartenden Umfang unseren Kontinent in wenigen Jahren  
destabilisieren können. Pauschale Zuwanderungsquoten für  
einen Teil der auswanderungswilligen Bevölkerungen sind  
ethisch nicht zu verantworten, weil damit gleichzeitig die  
große Mehrheit abgewiesen wird. Politische Forderungen in  
dieser Hinsicht sind daher pseudohumanitär und selbstzer-  
störerisch. Individuelle Schutz- und Asylgarantien wurden  
1949 für verfolgte Einzelpersonen geschaffen. Sie verspre-  
chen unter den heutigen Bedingungen der massenhaften,  
globalisierten Wanderungsbewegungen Unmögliches. Sie  
können nicht aufrechterhalten werden.  
Ziel der AfD ist Selbsterhaltung, nicht Selbstzerstörung  
unseres Staates und Volkes.  
Die Zukunft Deutschlands und Europas muss langfristig  
gesichert werden. Wir wollen unseren Nachkommen ein  
Land hinterlassen, das noch als unser Deutschland erkenn-  
bar ist.  
5.2 Zuwanderung muss nach unseren Regeln  
stattfinden  
Die Zuwanderung kann die Probleme der sozialen Siche-  
rungssysteme, die in Deutschland durch den Geburtenrück-  
gang entstanden sind und in Zukunft in verschärfter Form  
in Erscheinung treten werden, nicht lösen. Vielmehr werden  
die bestehenden Probleme durch die derzeitige Art und das  
Ausmaß der Zuwanderung verschärft.  
28 Wahlprogramm Bundestagswahl 2017 | Asyl braucht Grenzen: Zuwanderung und Asyl  
Die Grenzen müssen umgehend geschlossen werden, um  
die ungeregelte Massenimmigration in unser Land und seine  
Sozialsysteme durch überwiegend beruflich unqualifizierte  
Asylbewerber sofort zu beenden.  
Eine erfolgreiche Anpassung all dieser Menschen, darunter  
ein beträchtlicher Anteil von Analphabeten, ist unmöglich.  
Wir brauchen über mehrere Jahre diesbezüglich eine Minus-  
zuwanderung.  
Vorrang vor Zuwanderung haben familien- und bevölke-  
rungspolitische Maßnahmen, insbesondere eine „aktivieren-  
de Familienpolitik“, aber auch die Reduzierung der Abwan-  
derung qualifizierter Arbeitskräfte aus Deutschland.  
Wir wollen selbst entscheiden, wer zu uns kommt, und  
ausschließlich qualifizierten Zuzug nach Bedarf zulassen.  
Über Qualität und Quantität einer Einwanderung selbst zu  
bestimmen, ist herausragendes Merkmal staatlicher Souve-  
ränität; das muss auch für Deutschland gelten.  
Einen Asylantrag soll nur stellen dürfen, wer seine Iden-  
tität nachweist. Alle abgelehnten Asylbewerber sind in ihre  
Herkunftsländer zurückführen. Der Bund soll dafür zu-  
ständig werden, um eine einheitliche Verwaltungspraxis zu  
gewährleisten und die Verweigerungshaltung nicht koopera-  
tiver Bundesländer zu überwinden. Wir fordern zudem eine  
jährliche Mindestabschiebequote.  
Sollten sich die Herkunftsländer weigern, ihre Bürger  
wieder einreisen zu lassen, muss auf diese Länder Druck  
ausgeübt werden, zum Beispiel durch die Einstellung der  
Entwicklungshilfe. Hilfsweise müssen die Migranten in auf-  
nahmebereite Drittstaaten überführt werden.  
5.3 Die Türkei gehört nicht in die EU  
Einen EU-Beitritt der Türkei lehnen wir ebenso strikt ab  
wie Visaerleichterungen oder gar Visafreiheit für türkische  
Staatsbürger.  
Privilegien für türkische Staatsangehörige, die auf längst  
überholten Verträgen beruhen – z.B. Kranken-Mitversiche-  
rung von Eltern im Sozialversicherungsabkommen oder ihre  
ausländerrechtliche Bevorzugung nach dem sogenannten  
Assoziationsratsbeschluss 1/80 – müssen beendet werden.  
Das ganze entsprechende Abkommen der EU mit der Türkei  
aus dem Jahr 1963 ist aufzukündigen.  
5.4 Keine weitere Einwanderung in die  
Sozialsysteme  
Das hohe Niveau der deutschen Sozialleistungen zieht  
sowohl aus anderen EU-Staaten als auch aus Drittstaaten  
zahlreiche Armutszuwanderer an. Hierbei werden die Frei-  
zügigkeit in der EU bzw. das Asylrecht missbraucht, um sich  
Zugang zum Sozialsystem zu verschaffen. Diesem Miss-  
brauch wollen wir einen Riegel vorschieben:  
Sozialleistungen sollen Ausländern aus EU-Mitgliedsstaa-  
ten erst dann gewährt werden, wenn diese zuvor vier Jahre  
versicherungspflichtig in Deutschland beschäftigt waren  
und ihren Lebensunterhalt damit vollständig selbst decken  
konnten.  
Wahlprogramm Bundestagswahl 2017 | Asyl braucht Grenzen: Zuwanderung und Asyl 29  
Sozial- und Gesundheitsleistungen für Asylbewerber dür-  
fen keine Anreizwirkung entfalten und sind auf das unbe-  
dingt notwendige Maß zu beschränken. Es muss der Grund-  
satz gelten: „Sachleistungen vor Geldleistungen“.  
5.5 Zuflucht in der Herkunftsregion statt  
ungebremster Massenmigration nach Deutschland  
Der massenhafte Missbrauch des Asylgrundrechts muss  
durch eine Grundgesetzänderung beendet werden. Aus  
demselben Grund müssen die veraltete Genfer Flüchtlings-  
konvention und andere supra- und internationale Abkom-  
men neu verhandelt werden – mit dem Ziel ihrer Anpassung  
an die Bedrohung Europas durch Bevölkerungsexplosionen  
und Migrationsströme der globalisierten Gegenwart und  
Zukunft.  
Wir fordern die nationale Souveränität bei jeder Form  
der Zuwanderung.  
Das „Gemeinsame europäische Asylsystem“ (GEAS)  
lehnen wir ab. Die europäische Zusammenarbeit soll sich  
im Wesentlichen auf die Sicherung der europäischen Außen-  
grenze konzentrieren. Asylanträge sind deshalb außerhalb  
Europas zu stellen. Wo immer europäisches Recht diesen  
Prämissen entgegensteht, muss es geändert oder aufgehoben  
werden.  
Die AfD bekennt sich dazu, ökonomische Fluchtursachen  
zu vermeiden, auch wenn dies für die westliche Wirtschaft  
zunächst Nachteile mit sich bringen könnte.  
Durch ausreichende Erhöhung der Mittel der UNHCR für  
Flüchtlingszentren in heimat- und kulturnahen Regionen  
soll bereits geflohenen Menschen eine sichere Aufnahme-  
möglichkeit geboten werden.  
Die europäische Grenzschutzagentur Frontex und die  
Bundeswehr müssen ihre Schlepper-Hilfsdienste auf dem  
Mittelmeer beenden und alle Flüchtlingsboote an ihre Aus-  
gangsorte zurückbringen, anstatt die Passagiere nach Europa  
zu befördern.  
Wo das rechtlich oder tatsächlich nicht möglich ist, sind  
sie nach dem australischen Vorbild ausnahmslos in außer-  
europäische Aufnahmezentren zu überführen.  
Wir fordern strenge Kontrollen an den deutschen Grenz-  
übergängen wie auch die Bewachung der grünen Grenze  
durch integrierte Sicherungssysteme, zu denen auch Zäune  
gehören können.  
5.6 Sichere Identifizierung von Asylbewerbern  
ermöglichen  
Die AfD fordert die Schaffung der rechtlichen und techni-  
schen Voraussetzungen, um allen Behörden länderübergrei-  
fend die Möglichkeit zu geben, sich innerhalb kürzester Zeit  
zweifelsfrei davon überzeugen zu können, ob eine Person  
schon andernorts unter abweichenden Personalien regist-  
riert ist.  
30 Wahlprogramm Bundestagswahl 2017 | Asyl braucht Grenzen: Zuwanderung und Asyl  
5.7 Kein Familiennachzug in unsere Sozialsysteme  
Die Anerkennungsquote für Asylbewerber ist seit 2014 von  
unter 30 Prozent auf aktuell fast 70 Prozent angestiegen,  
obwohl die wenigsten aus Kriegsgebieten kommen und alle  
über sichere Drittstaaten einreisen. In diesen Fällen besteht  
sowohl nach Art. 16a Grundgesetz wie auch nach geltendem  
internationalen Recht kein Schutzanspruch. Die entgegen-  
stehende tägliche Anerkennungspraxis in Deutschland findet  
statt, obwohl durch die Grundgesetzreform diese Art der  
Immigration unterbunden werden sollte. Diese Praxis muss  
sofort beendet werden.  
Um die Verantwortlichen für die ab September 2015  
geduldete Massenzuwanderung zur Rechenschaft zu ziehen,  
werden wir die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses  
im Bundestag verlangen.  
Jedem anerkannten Asylbewerber folgen ein bis vier Fa-  
milienangehörige. Die Mehrheit dieser Menschen wird mit  
hoher Sicherheit dauerhaft von Sozialleistungen leben.  
Wir lehnen jeglichen Familiennachzug für Flüchtlinge ab,  
da die deutschen Sozialsysteme diese Lasten nicht tragen  
können.  
Entfällt der Fluchtgrund im Herkunftsland anerkannter  
Flüchtlinge, endet in aller Regel deren Aufenthaltserlaubnis.  
Sie müssen zurückkehren. Insbesondere der Schutz vor Bür-  
gerkrieg ist rein temporär ausgelegt und darf nicht zu einer  
Einwanderung durch die Hintertür führen.  
Führen diese Maßnahmen nicht mindestens zu einer  
Null-Zuwanderung, muss ein Gesetz eine absolute Belas-  
tungsgrenze definieren, ab deren Erreichen zum Schutz  
Deutschlands keinerlei Asylbewerber mehr aufgenommen  
werden.  
Die astronomischen Kosten der Massenzuwanderung müs-  
sen transparent und lückenlos über alle staatlichen Ebenen  
ausgewiesen und in einem übergreifenden „Flüchtlingshaus-  
halt“ unter demokratische Kontrolle gestellt werden.  
5.8 Die Kosten für unbegleitete minderjährige  
Ausländer explodieren  
Unbegleitete, angeblich minderjährige Ausländer (UMA)  
missbrauchen das Ausländer- und Asylrecht. Fast alle von  
ihnen sind männlich, und zwischen 50 Prozent und 80 Pro-  
zent derer, die sich als minderjährig ausgeben, sind tatsäch-  
lich volljährig. Ihre Kriminalitätsrate ist unverhältnismäßig  
hoch, der Staat ist wehrlos. Sie dienen als sogenannte Anker-  
kinder zum späteren Nachzug ihrer Familien.  
2015 wurden in Deutschland 67.000 dieser als minderjäh-  
rig eingestuften Ausländer neu registriert, 2016 erneut über  
50.000. Bei Kosten von durchschnittlich 60.000 bis 80.000  
Euro pro UMA und Jahr entstehen schon heute jährliche  
Kosten nur für diese Personengruppe von schätzungsweise  
sechs bis zehn Milliarden Euro. Diese Missstände wollen wir  
beenden und fordern  
obligatorische Altersuntersuchungen in Zweifelsfällen,  
den Ausschluss von Familiennachzug  
und den ausnahmslosen Übergang ins Asylverfahren  
bei Erreichen der Volljährigkeit.  
Wahlprogramm Bundestagswahl 2017 | Asyl braucht Grenzen: Zuwanderung und Asyl 31  
5.9 Anpassung ist die Aufgabe des Einwanderers,  
nicht der „Gesellschaft“  
Jeder Migrant oder Einwanderer, dem wir ein dauerhaftes  
Bleiberecht zugestehen, hat eine Bringschuld, sich seiner  
neuen Heimat und der deutschen Leitkultur anzupassen,  
nicht umgekehrt.  
Die deutsche Staatsangehörigkeit durch Einbürgerung darf  
nur derjenige erhalten, an dessen dauerhaft erfolgreicher  
Assimilation und Loyalität zu seiner neuen Heimat keine  
Zweifel bestehen.  
Eine Absenkung der schulischen und beruflichen Anfor-  
derungen, um Einwanderern die Anpassung an das hiesi-  
ge Bildungsniveau und den Zugang zum Arbeitsmarkt zu  
erleichtern, darf es nicht geben.  
5.10 Staatsbürgerschaft durch Abstammung.  
Beendigung der doppelten Staatsbürgerschaft  
Das Geburtsortsprinzip (Erwerb der deutschen Staatsan-  
gehörigkeit allein durch Geburt in Deutschland, auch wenn  
kein Elternteil Deutscher ist) wollen wir wieder aus dem  
Gesetz streichen und zum Abstammungsprinzip, wie es bis  
zum Jahr 2000 galt, zurückkehren.  
Die doppelte Staatsbürgerschaft soll auf wohlbegründete  
Sonderfälle beschränkt werden.  
Die Zugehörigkeit zu ausländischen Terrororganisationen  
führt zum Verlust der deutschen Staatsangehörigkeit.  
32 Wahlprogramm Bundestagswahl 2017 | Asyl braucht Grenzen: Zuwanderung und Asyl  
K A P I T E L 6  
Der Islam im Konflikt mit der  
freiheitlich-demokratischen  
Grundordnung  
6\. Der Islam im Konflikt mit der freiheitlich-  
demokratischen Grundordnung  
Der Islam gehört nicht zu Deutschland. In der Ausbreitung  
des Islam und der Präsenz von über 5 Millionen Muslimen,  
deren Zahl ständig wächst, sieht die AfD eine große Gefahr  
für unseren Staat, unsere Gesellschaft und unsere Werte-  
ordnung. Altkanzler Schmidt hat in seiner politischen Bilanz  
diesen Umstand richtig erkannt und bereits 2008 formu-  
liert: „Wer die Zahlen der Muslime in Deutschland erhöhen  
will, nimmt eine zunehmende Gefährdung unseres inneren  
Friedens in Kauf.“  
Ein Islam, der unsere Rechtsordnung nicht respektiert  
oder sogar bekämpft und einen Herrschaftsanspruch als  
alleingültige Religion erhebt, ist mit der freiheitlich-demo-  
kratischen Grundordnung Deutschlands nicht vereinbar.  
Viele Muslime leben rechtstreu (und integriert) und sind  
geschätzte Mitglieder unserer Gesellschaft. Die AfD will  
jedoch verhindern, dass sich abgeschottete islamische Paral-  
lelgesellschaften weiter ausbreiten, in welchen muslimische  
,,Friedensrichter“ Rechtsvorschriften der Scharia anwenden  
und das staatliche Monopol der Strafverfolgung und Recht-  
sprechung unterlaufen.  
Die AfD erkennt uneingeschränkt die Glaubens-, Gewis-  
sens- und Bekenntnisfreiheit an. Sie fordert jedoch, der  
Religionsausübung (gemäß Art. 140 GG i.V.m. Art. 136 Abs. 1  
Weimarer Reichsverfassung) Schranken zu setzen durch  
staatliche Gesetze, die Menschenrechte und unsere Werte.  
Staatliches Recht steht im säkularen Staat über religiösen  
Geboten und Traditionen. Islamkritik, auch religiöse Satire  
(und Karikaturen), sind im Rahmen der allgemeinen Gesetze  
rechtmäßig. Sie sind Ausfluss des Grundrechts der freien  
Meinungsäußerung und der Kunstfreiheit.  
Einer Diffamierung rationaler Religionskritik als „Isla-  
mophobie“ oder „Rassismus“ tritt die AfD entgegen. Wir  
fordern jedermann dazu auf, solche Polemik durch intellek-  
tuellen Diskurs zu ersetzen.  
Verfassungsfeindlichen Vereinen, die nach Art. 9 Abs. 2  
Grundgesetz zu verbieten sind, ist der Bau und Betrieb von  
Moscheen wegen der konkreten Gefahr zu untersagen, dass  
Imame dort Lehren verbreiten, die zu einer gegen unsere  
Rechtsordnung gerichteten politisch-religiösen Radikalisie-  
rung von Muslimen beitragen.  
Wir wollen verhindern, dass sich Muslime bis zum ge-  
waltbereiten Salafismus und Terror radikalisieren. Auch die  
Finanzierung des Baus und Betriebs von Moscheen durch  
islamische Staaten oder ausländische Geldgeber bzw. deren  
Mittelsmänner soll unterbunden werden.  
Islamische Staaten wollen durch den Bau und Betrieb  
von Moscheen den Islam in Deutschland verbreiten und  
ihre Macht vergrößern. Sie führen und unterstützen einen  
Kulturkrieg. So ist die Abhängigkeit der rund 900 Ditib-Mo-  
scheen und ihrer Imame vom staatlichen „Amt für Religiöse  
Angelegenheiten“ der Türkei (Diyanet) nicht hinnehmbar.  
Über die Ditib übt die autoritäre Türkei starken Einfluss auf  
viele in Deutschland lebende Bürger türkischer Herkunft  
aus. Sie behindert dadurch deren Anpassung an unsere Ge-  
sellschaft und gefährdet die Loyalität zu unserem Staat.  
34 Wahlprogramm Bundestagswahl 2017 | Der Islam im Konflikt mit der freiheitlich-demokratischen Grundordnung  
Das Minarett lehnt die AfD als islamisches Herrschafts-  
zeichen ebenso ab wie den Muezzin-Ruf, nach dem es außer  
dem islamischen Allah keinen Gott gibt. Es handelt sich hier-  
bei um religiösen Imperialismus.  
Minarett und Muezzin-Ruf stehen im Widerspruch zu  
einem toleranten Nebeneinander der Religionen, das die  
christlichen Kirchen, jüdischen Gemeinden und andere reli-  
giöse Gemeinschaften in der Moderne praktizieren.  
Imame müssen sich vorbehaltlos zu unserem Grundge-  
setz bekennen. Die Predigten in Moscheen in Deutschland  
sollen in deutscher Sprache gehalten werden. Imame, die  
gegen das Grundgesetz agitieren, erhalten ein Predigtverbot  
und werden bei Vorliegen der rechtlichen Voraussetzungen  
abgeschoben.  
Die islamtheologischen Lehrstühle an deutschen Universi-  
täten sind abzuschaffen und die Stellen der bekenntnisneut-  
ralen Islamwissenschaft zu übertragen.  
Die AfD lehnt es ab, islamischen Organisationen den Sta-  
tus einer Körperschaft des öffentlichen Rechts zu verleihen,  
weil sie die rechtlichen Voraussetzungen – eine ausreichen-  
de Repräsentanz, die Gewähr der Dauer und die Achtung  
des freiheitlichen Staatskirchenrechts – nicht erfüllen. Die  
Anerkennung der Religionsfreiheit, der weltanschaulichen  
Neutralität des Staates und der Gleichwertigkeit der Religio-  
nen, welche das Staatskirchenrecht verlangt, sind dem Islam  
fremd.  
Die AfD fordert ein allgemeines Verbot der Vollverschleie-  
rung in der Öffentlichkeit und im öffentlichen Dienst.  
Burka und Niqab errichten durch die Gesichtsverhüllung  
eine Barriere zwischen der Trägerin und ihrer Umwelt und  
erschweren damit das Zusammenleben in der Gesellschaft.  
Ein Verbot ist nach einem Urteil des Europäischen Gerichts-  
hofs für Menschenrechte von 2014 auch rechtmäßig.  
Im öffentlichen Dienst soll kein Kopftuch getragen werden,  
in Bildungseinrichtungen weder von Lehrerinnen noch von  
Schülerinnen in Anlehnung an das französische Modell.  
Der im Grundgesetz garantierten Gleichberechtigung von  
Frauen und Männern sowie der freien Entfaltung der Persön-  
lichkeit widerspricht das Kopftuch als religiös-politisches Zei-  
chen der Unterordnung von Muslimas unter den Mann. Das  
Urteil des Bundesverfassungsgerichts von 2015, nach dem  
ein generelles Kopftuchverbot für muslimische Lehrerinnen  
verfassungswidrig sei, betrachtet die AfD als ein Hindernis  
für eine erfolgreiche Integrationspolitik.  
Die AfD verlangt, eine standesamtliche Eheschließung vor  
jeder religiösen Trauung rechtlich wieder für verbindlich zu  
erklären. Religiöse Trauungen können diese staatsrechtliche  
Voraussetzung zur Anerkennung einer Ehe nicht ersetzen.  
Das Verbot der religiösen Voraustrauung, etwa durch  
Imame, soll wieder in Kraft gesetzt und die Streichung der §§  
67 und 67a im Personenstandsgesetz von 2009 rückgängig  
gemacht werden. Nur so können wir der Imam-Ehe entge-  
genwirken, die unter Umgehung der standesamtlichen Trau-  
ung und oftmals unter Zwang die Polygamie, Kinderehe und  
Verwandtenehe ermöglicht. Im Ausland geschlossene Ehen  
gemäß dem Familienrecht der Scharia, die gegen unsere  
Gesetze und unsere Moralvorstellungen verstoßen, sollen in  
Deutschland rechtlich nicht anerkannt werden.  
Wahlprogramm Bundestagswahl 2017 | Der Islam im Konflikt mit der freiheitlich-demokratischen Grundordnung 35  
K A P I T E L 7  
Willkommenskultur für Kinder:  
Familienförderung und  
Bevölkerungsentwicklung  
Die dramatische Zunahme der Ehe- und Kinderlosigkeit  
und das Verschwinden normaler mittelgroßer Familien –  
von den etablierten Parteien längst als alternativlos hin-  
genommen – sorgen für eine Schrumpfung unserer ange-  
stammten Bevölkerung um mehr als 250.000 Personen pro  
Jahr, mit stark steigender Tendenz. Die AfD stemmt sich  
gegen diesen Trend zur Selbstabschaffung und will Deutsch-  
lands Gesellschaft von Grund auf familien- und kinder-  
freundlicher gestalten. Wir wollen das Land unserer Väter  
und Mütter nicht irgendjemandem hinterlassen, der dieses  
Erbe verschleudert oder ausplündert, sondern unseren  
Nachkommen, denen wir unsere Werte vorgelebt und mitge-  
geben haben. Stabile Familien sind die Mitte und Grundlage  
jeder sich selbst erhaltenden Gesellschaft, in der Wohlstand  
und sozialer Frieden herrschen und Werte weitergegeben  
werden.  
Deutschland braucht einen Paradigmenwechsel hin zu  
einer nationalen Bevölkerungspolitik. Familienpolitik soll  
deshalb den Maßstab für alle mit ihr verbundenen Poli-  
tikfelder setzen, insbesondere für die Sozial-, Steuer- und  
Bildungspolitik.  
7.1 Deutschland nicht abschaffen  
Der Erhalt des eigenen Staatsvolks ist vorrangige Aufgabe  
der Politik und jeder Regierung. Dies kann in der derzeitigen  
demografischen Lage Deutschlands nur mit einer aktivieren-  
den Familienpolitik gelingen.  
Deutschland braucht mehr stabile Familien mit mehr  
Kindern. Ohne ausgeglichene Geburtenbilanz ist der soziale  
Friede gefährdet, soweit er auf unserem Sozial-, Renten- und  
Wahlprogramm Bundestagswahl 2017 | Willkommenskultur für Kinder: Familienförderung und Bevölkerungsentwicklung  
Gesundheitssystem beruht. Daher sind Maßnahmen zur mit-  
telfristigen Erhöhung der Geburtenrate der einheimischen  
Bevölkerung unverzichtbar, auch um unsere Sozialversiche-  
rungssysteme zu stabilisieren.  
Das „Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen  
und Jugend“ ist in ein „Bundesministerium für Familie und  
Bevölkerungsentwicklung“ umzuwandeln, das Bevölkerungs-  
entwicklung nach wissenschaftlichen Kriterien koordiniert  
und fördert.  
Eine kinderfreundliche Gesellschaft und der Erhalt des  
Staatsvolks sind daher als Staatsziel ins Grundgesetz aufzu-  
nehmen.  
7.2 Ehe und Familie stärken  
Die AfD will das vom Grundgesetz geschützte und bewähr-  
te Leitbild der Ehe und traditionellen Familie mit Kindern  
bewahren und stärken.  
Durch Aufklärung und Hilfen wollen wir junge Men-  
schen ermutigen und in die Lage versetzen, eine Familie zu  
gründen und zu erhalten. Wir wollen unnötige Hemmnisse  
beseitigen, damit stabile Ehen und Familien entstehen und  
bestehen bleiben. Hiermit wollen wir schon früh beginnen,  
indem anerkannte Regeln zu Partnerschaft und Familie,  
Haushaltsführung, Lebensschutz und Kindererziehung in  
Lehrplänen und Schulbüchern aller allgemeinbildenden  
Schulen wieder fester Bestandteil werden.  
37  
7.3 Kinder brauchen beide Eltern: Allein erziehen  
ist kein Idealfall  
Die Anzahl traditioneller Familien in Deutschland ist seit  
vielen Jahren rückläufig – die Zahl sogenannter „Alleiner-  
ziehender“ hat in den letzten Jahren dagegen stark zuge-  
nommen. Für Alleinerziehende und Kinder bedeutet diese  
Lebenssituation ein überdurchschnittliches Risiko, in relati-  
ver Armut zu leben. Trotz alarmierender Erkenntnisse über  
die Auswirkungen auf die kindliche Entwicklung sprechen  
sich nahezu alle Parteien für eine bedingungslose Förde-  
rung Alleinerziehender aus. Eine Differenzierung, ob diese  
Lebenssituation schicksalhaft, durch Selbstverschulden oder  
auf Grund eigener Entscheidungen zustande gekommen ist,  
findet nicht statt. Die Entscheidung für die Lebensform „al-  
leinerziehend“ ist Privatsache – für eine daraus resultierende  
Bedürftigkeit haftet jedoch die Solidargemeinschaft.  
Die AfD möchte Alleinerziehenden helfen, ein eigenver-  
antwortliches Leben zu führen. Sie ist jedoch gegen jede  
finanzielle Unterstützung von Organisationen, die „Einel-  
ternfamilien“ als normalen, fortschrittlichen oder gar erstre-  
benswerten Lebensentwurf propagieren. Der Vorteil einer  
besonderen Unterstützung durch die Solidargemeinschaft  
sollte nur denjenigen Alleinerziehenden gewährt werden, die  
den anderen Elternteil nicht aus der Teilhabe an der Erzie-  
hungsverantwortung und praktischen Erziehungsleistung  
hinausdrängen.  
7.3.1 Mehr Gerechtigkeit bei Scheidungen  
Die Reform des Familienrechts von 1977 führte dazu, dass  
selbst Straftaten und schwerwiegendes Fehlverhalten gegen  
den Ehepartner bei der Bemessung finanzieller Ansprüche  
nach Trennung und Scheidung oft ohne Auswirkung bleiben.  
Eine derartige Rechtsprechung ist nicht geeignet, die Partner  
zu ehelicher Solidarität anzuhalten und beeinträchtigt die  
Stabilität bestehender Ehen.  
Schwerwiegendes Fehlverhalten gegen die eheliche Solida-  
rität muss bei den Scheidungsfolgen wieder berücksichtigt  
werden.  
7.3.2 Väter stärken  
Einer gezielten Politik für Männer und Väter, hat sich bis-  
lang keine Partei angenommen. Bei vielen getrennt leben-  
den Paaren leiden viele Väter unter den familienrechtlichen  
Bestimmungen, wünschen sich beispielsweise mehr Umgang  
mit ihren Kindern haben zu können.  
Wir wollen uns deshalb für die Rechte von Vätern stark  
machen.  
38 Wahlprogramm Bundestagswahl 2017 | Willkommenskultur für Kinder: Familienförderung und Bevölkerungsentwicklung  
7.4 Familiennahe Betreuung würdigen  
Kinder unter drei Jahren fühlen sich am wohlsten, wenn  
sie durch die eigenen Eltern betreut werden. Es muss wie-  
der möglich sein, dass eine Familie mit kleinen Kindern von  
einem Gehalt leben kann, so dass die Eltern frei zwischen  
Berufstätigkeit oder Erwerbspause entscheiden können.  
Der Staat muss dafür die elterliche Betreuung genauso  
finanziell unterstützen wie Kitas und Tagesmütter.  
Eltern, die ihre Kleinkinder selbst betreuen, erleben die  
Entwicklung ihrer Kinder unmittelbar, vermitteln Ihnen  
Herzensbildung und erhalten damit die körperliche und  
seelische Gesundheit ihrer Kinder. Sie leisten insofern einen  
wichtigen Beitrag für die Gesellschaft und verdienen dafür  
Anerkennung. Im Anschluss an die Betreuungspause muss es  
ihnen ohne große Hürden möglich sein, ihren Beruf wieder  
aufzunehmen.  
Die AfD will auch die Fürsorge für pflegebedürftige Ange-  
hörige besser unterstützen. Diese Familienarbeit ist gleich-  
wertig und muss anerkannt werden wie jede andere berufli-  
che Tätigkeit.  
7.5 Schutz des ungeborenen Lebens  
Auch ungeborene Kinder haben ein Recht auf Leben. Viel  
zu oft wird dieses Recht der Selbstverwirklichung oder sozia-  
len Zukunftsängsten untergeordnet. Solchen Ängsten will die  
AfD durch konkrete Hilfen für Familien in allen Lebenslagen  
vorbeugen, insbesondere den lebensrettenden Ausweg der  
Adoption erleichtern und fördern.  
Bereits vorher muss aber die Gesellschaft in Familien,  
Schule und Medien den Respekt vor dem Leben und ein  
positives Bild von Ehe und Elternschaft vermitteln. Die  
Schwangerschaftskonfliktberatung muss tatsächlich dem  
Schutz des Lebens dienen. Wie vom Bundesverfassungsgericht  
zur Bedingung gestellt, ist regelmäßig die Wirksamkeit der  
Beratungsscheinregelung zu überprüfen. Gegebenenfalls ist  
durch gesetzliche Korrekturen ein wirksamer Lebensschutz zu  
gewährleisten.  
Um realistische Abtreibungszahlen erheben zu können,  
muss die Meldepflicht für Abtreibungen verbessert werden.  
Eine Unterlassung der Meldung seitens des ausführenden Arz-  
tes muss spürbare Sanktionen nach sich ziehen. Die Anonymi-  
tät der Schwangeren ist dabei zu gewährleisten.  
Wir lehnen alle Bestrebungen ab, die Tötung Ungeborener  
zu einem Menschenrecht zu erklären.  
7.6 Kinder willkommen heißen  
Eine Willkommenskultur für Kinder muss sich auch in kon-  
kreten Maßnahmen zeigen, mit denen wir vor allem Familien  
mit unterdurchschnittlichem Einkommen finanziell entlasten  
und so Mut zu Kindern machen wollen:  
Ehe-Start-Kredite mit Teilerlassen für Kinder sollen  
Ehepaare motivieren, eher mit der Familienplanung zu  
beginnen.  
Fahrtkosten und Zuzahlungen bei medizinisch notwen-  
digen Arztbesuchen für bedürftige Familien mit Kindern  
und werdende Eltern soll der Staat übernehmen.  
Wahlprogramm Bundestagswahl 2017 | Willkommenskultur für Kinder: Familienförderung und Bevölkerungsentwicklung 39  
Leistungen zur Teilhabe (Schulbus, Schulausstattung,  
Klassenfahrten,…) sollen leichter zugänglich werden.  
Anerkannte Freiwilligendienste (FSJ, FÖJ, BFD, IJFD  
u.a.), die einen wertvollen Beitrag zur Praxisbildung  
von Jugendlichen leisten, wollen wir großzügig fördern,  
so dass diese auch Kindern zugänglich werden, deren  
Eltern ein geringes Einkommen haben.  
Eltern soll ein längerer Anspruch auf Arbeitslosengeld I  
zustehen und ihre Neueinstellung durch Wiedereinglie-  
derungshilfen an den Arbeitgeber gefördert werden.  
Studenten und Auszubildenden, die während ihres Stu-  
diums bzw. ihrer Ausbildung oder kurz danach Eltern  
werden, wollen wir bei gutem Berufs- oder Studienab-  
schluss die BaFöG-Rückzahlung erlassen.  
Jugendliche in Ausbildung sollen einen Ausgleich für  
die von Kommunen erhobene Zweitwohnungssteuer  
erhalten.  
Familien, in denen Kinder erzogen werden, leisten einen  
ebenso wichtigen Beitrag zur Stabilisierung der sozialen Si-  
cherungssysteme wie aktive Beitragszahler. Daher will die AfD  
durch einen umfassenden Leistungsausgleich eine Steuer-  
und Beitragsgerechtigkeit für Familien herstellen.  
Dazu gehört ein Familiensplitting, das über angemessene  
Freibeträge pro Familienmitglied zu einer spürbaren Entlas-  
tung von Familien führen soll.  
Kinder dürfen nicht länger ein Armutsrisiko sein.  
7.7 Für ein klares Familienbild – Gender-Ideologie  
ist verfassungsfeindlich  
Gender-Ideologie marginalisiert naturgegebene Unter-  
schiede zwischen den Geschlechtern und stellt geschlecht-  
liche Identität in Frage. Sie will die klassische Familie als  
Lebensmodell und Rollenbild abschaffen. Damit steht sie in  
klarem Widerspruch zum Grundgesetz, das die (klassisch  
verstandene) Ehe und Familie als staatstragendes Insti-  
tut schützt, weil nur dieses das Staatsvolk als Träger der  
Souveränität hervorbringen kann. Die Gender-Ideologie  
widerspricht sowohl den wissenschaftlichen Erkenntnissen  
der Biologie und der Entwicklungspsychologie als auch der  
lebenspraktischen Alltagserfahrung vieler Generationen.  
Wir lehnen daher Bestrebungen auf nationaler wie inter-  
nationaler Ebene ab, diese Ideologie durch Instrumente wie  
Gender-Studies, Quotenregelungen z.B. für Frauen, Propa-  
gandaaktionen wie den „Equal Pay Day“ oder die „geschlech-  
terneutrale Sprache“ umzusetzen.  
Die AfD will, dass sich die Familienpolitik des Bundes  
und der Länder am Bild der Familie aus Vater, Mutter und  
Kindern orientiert. Wir lehnen alle Versuche ab, den Sinn  
des Wortes „Familie“ in Art. 6 Abs. 1 Grundgesetz auf andere  
Gemeinschaften auszudehnen und der Familie auf diesem  
Wege den besonderen staatlichen Schutz zu entziehen.  
40 Wahlprogramm Bundestagswahl 2017 | Willkommenskultur für Kinder: Familienförderung und Bevölkerungsentwicklung  
7.7.1 Gender-Ideologie raus aus den Schulen –  
Frühsexualisierung stoppen  
Eine einseitige Hervorhebung der Homo- und Transsexua-  
lität im Unterricht, wie sie die sogenannte „Sexualpädagogik  
der Vielfalt“ praktiziert, stellt einen unzulässigen Eingriff in  
die natürliche Entwicklung unserer Kinder und in das vom  
Grundgesetz garantierte Elternrecht auf Erziehung dar. Da-  
durch werden Kinder und Jugendliche – oft von schulfrem-  
den Personen und meist gegen den Willen ihrer Eltern – in  
Bezug auf ihre sexuelle Identität verunsichert, überfordert  
und in ihren Schamgefühlen verletzt.  
Die AfD stellt sich allen Versuchen klar entgegen, durch  
staatlich geförderte Umerziehungsprogramme in Kinder-  
gärten und Schulen das bewährte, traditionelle Familien-  
bild zu beseitigen.  
Unsere Kinder dürfen nicht zum Spielball der sexuellen  
Neigungen einer lauten Minderheit werden. Das ideologische  
Experiment der Frühsexualisierung ist sofort zu beenden.  
7.7.2 Steuerverschwendung durch  
„Gender-Forschung“ beenden  
Die „Gender-Forschung“ ist keine seriöse Wissenschaft,  
sondern folgt der ideologischen Vorgabe, dass das natürliche  
Geschlecht (Sex) und das soziale Geschlecht (Gender) vonei-  
nander völlig unabhängig seien. Ziel ist letztlich die Abschaf-  
fung der natürlichen Geschlechterpolarität.  
Bund und Länder dürfen keine Mittel für die „Gender-For-  
schung“ mehr bereitstellen und keine „Gender-Professuren“  
mehr besetzen.  
Bestehende Förderlinien sollen beendet werden, die der  
„Gender-Ideologie“ verpflichteten „Gleichstellungsbeauftrag-  
ten“ an den Universitäten sind abzuschaffen.  
Wahlprogramm Bundestagswahl 2017 | Willkommenskultur für Kinder: Familienförderung und Bevölkerungsentwicklung 41  
K A P I T E L 8  
Bildung und Schule:  
Mut zur Differenzierung  
Wir bekennen uns zur umfassenden Bildung, die zur  
Entfaltung der Persönlichkeit sowie zur Wahrnehmung  
der staatsbürgerlichen Rechte und Pflichten notwendig ist.  
Die Politik der etablierten Parteien, die eine nivellierende  
Einheitsschule anstrebt und dabei Qualitätsverlust in Kauf  
nimmt, bedroht die Zukunftschancen junger Menschen und  
somit auch die Konkurrenzfähigkeit unserer Wirtschaft.  
Die Bildungsstandards der verschiedenen Schulformen  
müssen sich an den Anforderungen der weiterführenden Bil-  
dungseinrichtungen ausrichten, damit der Übergang von der  
Schule in die Ausbildung oder zum Studium ohne zu große  
Enttäuschung verläuft.  
Wir fordern die Abkehr von geschwätziger Kompetenzori-  
entierung und die Rückkehr zur Vermittlung des Fachwis-  
sens als zentrales Anliegen der Schule.  
Die sogenannte „neue Lernkultur“, die den klassengeführ-  
ten Unterricht durch selbstgesteuertes, kompetenzorientier-  
tes Lernen ersetzt, hat zu massivem Leistungsabbau bei den  
Schülern geführt. In fast allen Bundesländern haben sich  
nach der Aufregung um „PISA“ Bildungspolitiker und Schul-  
aufsicht zu Handlangern der Testindustrie machen lassen.  
Eine Reform jagt die andere mit kontinuierlicher Absenkung  
des Niveaus.  
Die AfD lehnt den Einfluss von internationalen Konzer-  
nen, Stiftungen und anderen Lobbygruppierungen auf  
unser Bildungssystem und damit auf die Zukunftsfähigkeit  
Deutschlands ab. Eine Ökonomisierung und Globalisierung  
des deutschen Bildungswesens wird es mit uns nicht geben.  
8.1 Mehrgliedriges Schulsystem erhalten  
Der schleichenden Abschaffung verschiedener Schulfor-  
men und der Entwicklung hin zur nivellierenden Einheits-  
schule muss Einhalt geboten werden. Effizientes Lehren und  
Lernen ist nur möglich, wenn die Leistungsunterschiede  
zwischen den Schülern einer Schulform begrenzt bleiben.  
Bildungsgerechtigkeit erfordert Differenzierung, nicht  
Gleichmacherei.  
Wir befürworten daher ein nach Begabungen differen-  
ziertes Schulsystem, das dem unterschiedlichen Leistungs-  
vermögen der Schüler gerecht wird.  
Die Bildungsstandards in allen Schulformen müssen sich  
an dem jeweils höchsten Niveau in Deutschland ausrichten.  
Zugangsvoraussetzung für das Gymnasium dürfen allein  
landesweit verbindliche Leistungskriterien sein. Das Abitur  
muss wieder zum Ausweis der Studierfähigkeit werden, der  
Haupt- oder Realschulabschluss zu qualifizierter Berufsaus-  
bildung befähigen.  
Wahlprogramm Bundestagswahl 2017 | Bildung und Schule: Mut zur Differenzierung 43  
8.2 Berufliche Bildung stärken:  
Meister statt Master  
Die duale Ausbildung in Unternehmen und Berufsschu-  
len ist ein Erfolgsmodell. Jedoch gefährden das Streben  
nach immer höheren Abiturienten- und Akademikerquoten  
sowie unzureichende Kenntnisse von Haupt- und Realschul-  
absolventen den Nachwuchs in den Ausbildungsberufen.  
Zahlreiche Lehrstellen können aus Mangel an ausreichend  
qualifizierten Bewerbern nicht besetzt werden, ein Viertel  
der Lehrlinge bricht die Ausbildung ab. Ähnlich verhält es  
sich mit den Abbrecherquoten bei Studenten.  
Wir wollen das weltweit geschätzte berufliche Bildungs-  
und Ausbildungssystem stärken. Der Wert und Nutzen der  
beruflichen Bildung muss stärker gewürdigt werden.  
8.3 Keine ideologisch motivierte Inklusion:  
Förder- und Sonderschulen erhalten  
Die Forderung der Vereinten Nationen, behinderten  
Kindern Teilhabe am Bildungssystem zu garantieren, ist in  
Deutschland bereits erfüllt. Kinder mit besonderem Förder-  
bedarf erhalten in der Förderschule eine umfassende Unter-  
stützung, die die Regelschule nicht leisten kann.  
Die AfD setzt sich deshalb für den Erhalt der Förder- und  
Sonderschulen ein.  
8.4 Folgen der Massenimmigration: Nicht auf dem  
Rücken der Schüler  
Ziel der Beschulung schulpflichtiger Asylbewerber muss es  
sein, diese auf das Leben nach der Rückkehr in ihr Her-  
kunftsland vorzubereiten und die Zeit bis zur Rückkehr  
sinnvoll zu überbrücken. Einheimische Schüler dürfen nicht  
in ihrem Lernfortschritt behindert werden.  
8.5 Bologna ist gescheitert: Diplom und Magister  
wieder einführen  
Die EU- weite Harmonisierung von Studiengängen (Bolog-  
na-Prozess) hat zu einer Verschulung des Studiums, zu Über-  
regulierung und Bürokratie geführt. Die akademische Freiheit  
wurde beschnitten, ein Studienplatzwechsel erschwert. Bei  
der hohen Zahl von 18.044 Studiengängen (Stand 2015/16),  
die durch den Zwang zur Profilierung entstanden sind, ist die  
Vergleichbarkeit von Abschlüssen deutlich erschwert. Arbeit-  
geber kritisieren die geringe Qualifikation von Bachelor-Ab-  
solventen.  
Die AfD will die bewährten Diplom- und Magisterstudien-  
gänge wieder einführen. Die Modularisierung des Studiums  
und die Akkreditierungsagenturen sollen abgeschafft werden.  
Das Promotionsrecht muss Universitäten vorbehalten  
bleiben. Deutsch muss als Lehr- und Wissenschaftssprache  
erhalten bleiben.  
44 Wahlprogramm Bundestagswahl 2017 | Bildung und Schule: Mut zur Differenzierung  
8.6 Autonomie der Hochschulen stärken: Freiheit  
von Forschung und Lehre bewahren  
Deutschland muss ein Land der Spitzenforschung bleiben.  
Wir wollen eine höhere Grundfinanzierung der Hochschulen  
einführen, um deren Abhängigkeit von Drittmitteln zu ver-  
ringern. Hochschulen sollen das Recht besitzen, Bewerber  
durch Aufnahmeprüfungen auszuwählen. Der durch plan-  
wirtschaftliche Zielvorgaben zu Studentenzahlen, Studiener-  
folg und anderen Quoten erzeugte Zwang zur Nivellierung ist  
zu beenden.  
8.7 Keine ideologische Beeinflussung an der  
Schule: Die Neutralität der Schule muss gewahrt  
bleiben  
Das Klassenzimmer darf kein Ort der politischen Indoktri-  
nation sein. An deutschen Schulen wird oft nicht die Bildung  
einer eigenen Meinung gefördert, sondern die unkritische  
Übernahme ideologischer Vorgaben. Leitbild der schulischen  
Bildung muss jedoch der selbstständig denkende Bürger  
sein.  
8.8 Keinen bekenntnisgebundenen Islam-  
unterricht an deutschen Schulen  
Islamunterricht an deutschen Schulen dient derzeit nicht  
der Integration, sondern fördert ein Verharren in Einstellun-  
gen, die echte Integration verhindern.  
Integration heißt nicht, dass Deutschland sich Muslimen  
anpasst. Integration heißt, dass die Muslime sich Deutsch-  
land anpassen.  
Da die islamischen Gemeinschaften in Deutschland keine  
kirchenähnliche Struktur aufweisen, kann ihnen das Privi-  
leg eines „bekenntnisgebundenen“ Religionsunterrichts an  
staatlichen Schulen nicht zugestanden werden.  
8.9 Keine Sonderrechte für Muslime an unseren  
Schulen  
Muslimische Schüler müssen genauso wie alle anderen  
Schüler auch am Sport- und Schwimmunterricht sowie an  
Klassenfahrten teilnehmen. Nur so können wir der Her-  
ausbildung von Parallelgesellschaften gegensteuern und  
den Schülern Teilhabechancen eröffnen, damit Anpassung  
gelingt.  
8.10 Kein Koranunterricht durch verfassungs-  
feindliche Moscheevereine  
Die Koranschulen in Deutschland werden zumeist von  
Moscheevereinen betrieben. Viele dieser Vereine stehen un-  
serer freiheitlich-demokratischen Grundordnung ablehnend  
gegenüber.  
Wir fordern deshalb eine flächendeckende Überprüfung al-  
ler Moscheevereine und bei Verdacht auf Verfassungsfeind-  
lichkeit als Sofortmaßnahme ein Verbot, Koranunterricht zu  
erteilen.  
Wahlprogramm Bundestagswahl 2017 | Bildung und Schule: Mut zur Differenzierung 45  
K A P I T E L 9  
Kultur und Medien  
9.1 Deutsche Leitkultur statt „Multikulturalismus“  
Die AfD bekennt sich zur deutschen Leitkultur. Diese fußt  
auf den Werten des Christentums, der Antike, des Humanis-  
mus und der Aufklärung. Sie umfasst neben der deutschen  
Sprache auch unsere Bräuche und Traditionen, Geistes- und  
Kulturgeschichte. Unser liberaler Rechtsstaat, unsere Wert-  
schätzung von Bildung, Kunst und Wissenschaft und der  
sozialen Marktwirtschaft als Ausdruck menschlicher Kreati-  
vität und Schaffenskraft sind damit engstens verbunden.  
Die Ideologie des „Multikulturalismus“ gefährdet alle  
diese kulturellen Errungenschaften. Kultur ist nur als etwas  
wechselbezügliches Ganzes von Gesellschaften zu verstehen.  
„Multi-Kultur“ ist Nicht-Kultur oder Parallelität von Kultu-  
ren und damit Ausdruck von Parallelgesellschaften, die stets  
zu innenpolitischen Konflikten und zur Funktionsunfähig-  
keit von Staaten führen.  
Die Zivilgesellschaften funktionierender Staaten sind da-  
her aufgerufen, ihre Kulturen zu schützen und eigenständig  
weiterzuentwickeln. Dies gilt natürlich auch für die deutsche  
kulturelle Identität. Der in Europa bereits stattfindende Kul-  
turkampf zwischen Abendland und dem Islam als Heilslehre  
und Träger von nicht integrierbaren kulturellen Traditionen  
und Rechtsgeboten kann nur abgewendet werden durch ein  
Bündel von defensiven und restriktiven Maßnahmen, die  
eine weitere Zerstörung der europäischen Werte des Zusam-  
menlebens aufgeklärter Bürger verhindern.  
Die AfD wird nicht zulassen, dass Deutschland aus falsch  
verstandener Toleranz sein kulturelles Gesicht verliert.  
9.2 Die deutsche Sprache als Zentrum  
unserer Identität  
Die Nationalsprache ist das Herz einer Kulturnation. Als  
zentrales Element deutscher Identität will die AfD die deut-  
sche Sprache als Staatssprache im Grundgesetz festschrei-  
ben. An deutschen Schulen darf es kein Zurückweichen des  
Deutschen vor Einwanderersprachen geben.  
Auf EU-Ebene wollen wir dafür sorgen, dass das Deutsche  
dem Englischen und Französischen auch in der alltäglichen  
Praxis gleichgestellt wird, solange die EU noch besteht.  
Die AfD sieht mit Sorge, wie die deutsche Sprache in Wis-  
senschaft und Wirtschaft zunehmend durch das Englische  
ersetzt wird und will dem mit gezielten Fördermaßnahmen  
entgegenwirken.  
„Politisch korrekte“ Sprachvorgaben lehnen wir entschie-  
den ab, weil sie einer natürlichen Sprachentwicklung entge-  
genstehen und die Meinungsfreiheit einengen.  
9.3 Ideologiebesetzte kulturpolitische Vorgaben  
des Staates beseitigen  
Nirgendwo ist die ideologische Beeinflussung seitens des  
Staates so stark wie in der Kulturpolitik. Die AfD will die Kul-  
turpolitik an fachlichen Qualitätskriterien und ökonomischer  
Vernunft anstatt an politischen Vorgaben ausrichten. Dem-  
entsprechend müssen der Einfluss der Parteien auf das Kul-  
turleben zurückgedrängt, gemeinnützige private Kulturstif-  
tungen und bürgerliche Kulturinitiativen gestärkt werden.  
Wahlprogramm Bundestagswahl 2017 | Kultur und Medien 47  
Die aktuelle Verengung der deutschen Erinnerungskul-  
tur auf die Zeit des Nationalsozialismus ist zugunsten einer  
erweiterten Geschichtsbetrachtung aufzubrechen, die auch die  
positiv identitätsstiftenden Aspekte deutscher Geschichte mit  
umfasst.  
9.4 Bekenntnis zur Kulturhoheit der Länder –  
keine „politisch korrekte“ Kunst und Kultur!  
Die AfD bekennt sich zur Kulturhoheit der Bundesländer.  
Kulturelle Förderprogramme des Bundes und der EU, die an  
ideologische Zielvorgaben gekoppelt sind, wollen wir durch  
Förderlinien ersetzen, die der Bewahrung des kulturellen  
Erbes oder dessen würdiger Fortschreibung dienen.  
Für „politisch korrekte“ Kunst und Kultur darf es keine  
staatlichen Anreize geben.  
9.5 Medien: Für eine zeitgemäße Medienpolitik:  
Rundfunkbeitrag abschaffen  
Der gegenwärtige öffentlich-rechtliche Rundfunk wird  
durch Zwangsbeiträge finanziert, ist mit einem Jahresbud-  
get von über neun Milliarden Euro viel zu teuer und wird in  
einer Weise von der Politik dominiert, die einer Demokratie  
unwürdig erscheint. Die AfD setzt sich dafür ein, die Rund-  
funkanstalten grundlegend zu reformieren.  
Der Rundfunkbeitrag ist abzuschaffen, damit in Zukunft  
jeder Bürger selbst und frei entscheiden kann, ob er das  
öffentlich-rechtliche Angebot empfangen und bezahlen will.  
Der neue Bürgerrundfunk soll ein schlankes Medium sein,  
welches sich auf objektive Berichterstattung sowie kulturelle  
und bildende Inhalte fokussiert. Das Angebot wird über-  
wiegend verschlüsselt/passwortgeschützt, sodass nur noch  
freiwillige Zahler Zugang haben. Um den Einfluss der Politik  
– egal welcher Ausrichtung – zu reduzieren, sollen insbeson-  
dere die gesellschaftlichen Vertreter in den Kontroll-  
gremien durch freie und demokratische Wahlen vom Bürger  
bestimmt werden.  
9.6 Das Internet als Ort der freien Meinungs-  
äußerung erhalten  
Das Internet als Medium der Kommunikation, Informa-  
tion und freien Meinungsäußerung darf abseits der Verfol-  
gung von Straftaten keinerlei Beschränkung und Zensur  
unterliegen.  
48 Wahlprogramm Bundestagswahl 2017 | Kultur und Medien  
K A P I T E L 1 0  
Steuern und Finanzen,  
Wirtschaft und Arbeit  
Unser Steuersystem ist das komplexeste der Welt. Eine  
Vereinfachung wurde von den etablierten Parteien schon  
lange versprochen, aber nie realisiert. Globalisierung und  
Euro-Krise erfordern ein grundsätzliches Umdenken. Die  
demografische Entwicklung bringt die sozialen Sicherungs-  
systeme in Gefahr. Die ungesteuerte Migration verschlim-  
mert diese Probleme dramatisch. Die Behauptung, sie trage  
zur Problemlösung bei, widerspricht allen Tatsachen. Eine  
solche Aussage hat ausschließlich propagandistischen Cha-  
rakter.  
Es ist Zeit für eine grundlegende Reform, die bereits im  
Grundsatzprogramm der AfD angelegt ist:  
Reduzierung der Steuer- und Abgabenquote  
Reformierung der Steuersysteme  
die Bezahlung von Kirchenrepräsentanten wie  
Bischöfen etc. aus allgemeinen Steuermitteln ist  
abzuschaffen  
Rückbau der Bürokratie  
mittelstandsfreundliche Wirtschaftspolitik  
Eine durch Staatsverschuldung finanzierte Stützung der  
Renten- und Sozialsysteme kommt für die AfD nicht in Be-  
tracht. Dies wäre keine nachhaltige Politik.  
Auch die im Grundgesetz verankerte Schuldenbremse  
verbietet eine solche Politik. Vorrangig sind Subventionen  
abzubauen und überflüssige Staatsausgaben zu kürzen.  
Die AfD ruft alle demokratisch legitimierten Parteien auf,  
sich in der nächsten Legislaturperiode an einem großen  
Steuer- und Sozialreformprozess zu beteiligen.  
10.1 Steuern  
Die AfD wendet sich gegen eine Ausweitung der Abgaben-  
belastung und fordert die Absenkung der allgemeinen Mehr-  
wertsteuer um 7 Prozentpunkte sowie die Einführung einer  
allgemeinen Abgabenbremse (für Steuern, Beiträge und  
Gebühren) zugunsten der Bürger. Diese ist im Grundgesetz  
festzuschreiben.  
Damit soll verhindert werden, dass Steuern und Abgaben in  
Zukunft beliebig erhöht werden können. Die Obergrenze sollte  
maximal der heutigen Abgabenquote entsprechen und mittel-  
fristig 40 Prozent des Bruttoinlandsprodukts nicht überstei-  
gen. Eine solche Politik ist erforderlich, weil sowohl die Staats-  
finanzierung als auch der Wohlstand der Bürger in erster Linie  
von einer blühenden Wirtschaft abhängen. Neben innovativer  
Forschung und gut ausgebildeten Menschen braucht der  
Wirtschaftsprozess finanzielle Rahmenbedingungen, welche  
die Eigenfinanzierung für die technologische Infrastruktur der  
Zukunft ermöglichen und die internationale Wettbewerbsfä-  
higkeit auch bei der Abgabenlast gewährleisten.  
Die AfD will, dass eine seit Jahrzehnten in etlichen Wahl-  
kämpfen von unterschiedlichen Parteien versprochene  
Steuerreform, die diesen Namen verdient, Wirklichkeit wird.  
Die Vergangenheit hat gezeigt, dass ein „Herumdoktern“ am  
bestehenden Steuersystem dieses nur komplexer und keines-  
wegs gerechter macht.  
Wir sind bereit, gemeinsam mit allen demokratischen  
Parteien, Tarifparteien, Verbänden und wissenschaftlichen  
Einrichtungen ein zukunftsorientiertes Steuersystem auf den  
Weg zu bringen, das selbstverständlich auch die erforderlichen  
sozialen Belange berücksichtigt.  
50 Wahlprogramm Bundestagswahl 2017 | Steuern und Finanzen, Wirtschaft und Arbeit  
Leitideen der AfD sind dabei:  
Einfach, transparent und gerecht. Der progressive  
Anstieg der Steuer wird durch Steuerstufen abgelöst.  
Eine Indexierung der Tarife, Freibeträge und  
Freigrenzen, Pauschbeträge und Pauschalen muss die  
schleichende (heimliche) Steuererhöhung vermeiden.  
Entlastung der geringen und mittleren Einkommen:  
Der Grundfreibetrag wird auf das pfändungsfreie Ein-  
kommen angehoben und die Stufen werden so gewählt,  
dass Gering- und Durchschnittsverdiener entlastet  
werden.  
Das Ehegattensplitting wird durch ein sozial gerechtes  
Familiensplitting ergänzt, bei dem das Familienein-  
kommen auf alle Familienmitglieder verteilt wird vor  
der Tarifanwendung.  
Schaffung einer fairen Unternehmensbesteuerung.  
Gewinne sind dort zu versteuern, wo sie erwirtschaftet  
werden.  
Die AfD ist für eine Abschaffung der Erbschaftsteuer als  
Substanzsteuer und gegen die Reaktivierung der Vermö-  
gensteuer.  
Intakte Familien denken und leben in Generationenzusam-  
menhängen. Die Übergabe von Vermögen – auch und gerade  
in Unternehmen gebundenes – ist Privatangelegenheit und  
darf nicht dem Staatszugriff ausgesetzt werden.  
10.2 Haushaltspolitik  
Das primäre finanzwirtschaftliche Ziel der Alternative  
für Deutschland sind ausgeglichene Haushalte. Die Staats-  
ausgaben sind durch Einnahmen zu decken. Die Erhöhung  
von Abgaben oder Aufnahme von Schulden zur Deckung  
der Ausgaben ist auf die strengen Vorgaben einer Schul-  
denbremse zu beschränken. Die Bürger haben ein Recht auf  
verlässliche staatliche Rahmenbedingungen, die ihnen eine  
nachhaltige Lebensplanung gewährleisten.  
Zur Vermeidung von Erblasten für spätere Generationen  
ist die Tilgung bestehender Schulden verbindlich gesetzge-  
berisch zu regeln.  
Gesamtgesellschaftliche Aufgaben will die AfD über den  
Bundeshaushalt finanzieren. Dies gebieten die Gerechtigkeit  
und die Forderung nach einer transparenten Haushaltsfüh-  
rung. Demzufolge sind Nebenhaushalte und Übertragung  
von gesamtgesellschaftlichen Lasten zur Schönung des Bun-  
deshaushalts beispielsweise an die Sozialkassen abzulehnen.  
Die Alternative für Deutschland fordert die verpflichten-  
de Einführung der kaufmännischen Buchführung für alle  
Staatshaushalte.  
Der darin in Zukunft abgebildete jährliche Werteverzehr  
aller Vermögensgegenstände, die einem solchen unterliegen,  
ist in den Haushalten zu erwirtschaften und zu thesaurieren.  
Haushalte sind nur dann ausgeglichen, wenn diese Vermö-  
gensverluste monetär erwirtschaftet sind, wie dies schon  
heute für alle Kommunalhaushalte vorgeschrieben ist.  
Diese kaufmännische Betrachtungsweise muss in der Zu-  
kunft auch angewendet werden auf alle Versorgungsanwart-  
schaften, welche die Bediensteten der öffentlichen Verwal-  
tung gegenüber öffentlichen Dienstherrn bzw. Arbeitgebern  
erwerben.  
Wahlprogramm Bundestagswahl 2017 | Steuern und Finanzen, Wirtschaft und Arbeit 51  
10.3 Soziale Arbeitswelt  
Die AfD befürwortet einen gesetzlichen Mindestlohn, da  
er bei den jetzigen Verhältnissen die vergleichsweise schwa-  
che Position der Niedriglohnempfänger gegenüber den  
Interessen der Arbeitgeber stärkt.  
Insbesondere erlaubt der Mindestlohn eine Existenz  
jenseits der Armutsgrenze und die Finanzierung einer, wenn  
auch sehr bescheidenen, Altersversorgung, die ansonsten  
im Wege staatlicher Unterstützung von der Gesellschaft zu  
tragen wäre. Mindestlöhne verhindern somit auch die Priva-  
tisierung von Gewinnen bei gleichzeitiger Sozialisierung der  
Armutskosten.  
Der zunehmende Anteil von prekären Beschäftigungsver-  
hältnissen wirkt sich negativ auf den Wohlstand aus. Daraus  
entstehen Negativwirkungen für die Demografie. Zudem  
leidet der Aufbau der eigenen Altersvorsorge.  
Die AfD fordert deshalb auch eine gesetzliche Obergrenze  
von 15 Prozent Beschäftigten mit Leih- oder Werkverträgen  
in Unternehmen.  
Leiharbeit muss nach einer sechsmonatigen Beschäfti-  
gungszeit einer festen Anstellung gleichgestellt werden.  
Zeitarbeitsverträge dürfen nur einmal verlängert werden. Sie  
dürfen nur unter festgelegten Bedingungen abgeschlossen  
werden.  
10.4 Arbeitslosigkeit und Qualifikation für  
Langzeitarbeitslose  
Die Arbeitslosigkeit, insbesondere die Dauerarbeitslosig-  
keit, konnte bisher nachhaltig nicht gesenkt werden. Die  
heutigen Eingliederungs- und Qualifizierungsmaßnahmen  
gehen vielfach an den Bedürfnissen des Arbeitsmarkts  
vorbei. Deshalb können viele offene Stellen nicht besetzt  
werden.  
Wir fordern daher eine bedarfsangepasste Qualifizierung  
für Arbeitslose.  
Diese muss in enger Abstimmung insbesondere mit der  
mittelständischen Wirtschaft erfolgen, bei welcher 80 Pro-  
zent der Arbeitnehmer Deutschlands beschäftigt sind.  
Die AfD setzt sich ferner für die Schaffung eines Angebots  
zur Bürgerarbeit ein.  
Unter Bürgerarbeit ist die Ausübung gemeinnütziger  
Arbeit durch Langzeitarbeitslose zu verstehen, die nicht in  
Konkurrenz zum Arbeitsmarkt steht. Bürgerarbeit soll ca. 30  
Wochenstunden umfassen und sozialversicherungspflichtig  
entlohnt werden.  
Den Langzeitarbeitslosen wird so die Ausübung sinnvoller  
Tätigkeiten eröffnet und die Gesellschaft erhält einen Gegen-  
wert für die Unterstützungsleistungen. Langzeitarbeitslose  
können so wieder an den ersten Arbeitsmarkt herangeführt  
werden. Wer Bürgerarbeit leistet, soll seine Vermögensver-  
hältnisse nicht offenbaren müssen.  
52 Wahlprogramm Bundestagswahl 2017 | Steuern und Finanzen, Wirtschaft und Arbeit  
10.5 Keine Manipulation der Arbeitslosenquote  
Die Bundesagentur für Arbeit berechnet im Auftrag der  
Bundesregierung eine Arbeitslosenquote, die dem Wähler  
suggeriert, dass die Arbeitslosigkeit stetig sinkt. Dies wird  
durch Anwendung einer Vielzahl von Detailvorschriften ma-  
nipulativ erreicht, indem Hunderttausende von Arbeitslosen  
nicht berücksichtigt werden.  
Die AfD fordert, die Arbeitslosenquote auf Basis der tat-  
sächlichen Arbeitslosenzahlen zu berechnen, um die realen  
Verhältnisse auf dem Arbeitsmarkt sichtbar zu machen.  
10.6 Wirtschaftspolitik für Deutschland:  
Wohlstand für alle!  
Grundlegende Elemente für eine prosperierende Wirt-  
schaft sind für die AfD die Eigenverantwortung der Wirt-  
schaftssubjekte mit dem Gegenstück Haftung für das ei-  
gene Handeln, die Garantie des Privateigentums und der  
Marktpreis als Steuerungsmechanismus für wirtschaftliche  
Entscheidungen. Weitere wichtige Elemente sind die Sicher-  
stellung von Wettbewerb auf den Märkten und die Verhin-  
derung von marktbeherrschenden Stellungen sowie ein  
unbestechliches effizientes Rechtssystem, das Rechtssicher-  
heit und Rechtsfrieden gewährleistet und nicht zuletzt auch  
Bürger gegen Übergriffe des Staates schützt.  
Dies ist der Ordnungsrahmen, der in der Nachkriegszeit  
aufgebaut und lange Zeit unangetastet blieb. Wir wollen  
uns dafür einsetzen, ihn wo nötig wieder zu stärken und  
insgesamt weiterhin aufrecht zu erhalten. Viele der darüber  
hinausgehenden Einzelfallregelungen sind zu überprüfen  
und gegebenenfalls abzuschaffen.  
Die AfD geht von der Prämisse aus, dass die Wirtschaft für  
die Menschen da ist und nicht die Menschen für die Wirt-  
schaft. Wohlstand misst sich materiell, hat aber auch soziale  
und immaterielle Aspekte: Freiheit, Selbstbestimmung, Teil-  
habe. Unsere Wirtschafts- und Steuerpolitik sehen wir auch  
als Teil der Sozialpolitik. Ziel ist die Schaffung auskömmlicher  
Arbeitsplätze für alle dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen-  
den Mitbürger.  
Hierzu planen wir folgende Maßnahmen:  
den Staat verschlanken und effizienter machen  
• Abbau von Subventionen, neue Subventionen  
zeitlich befristen  
• Vereinfachung des Steuersystems wie oben beschrieben  
• Regulierungen und Bürokratie überprüfen und abbau-  
en, um insbesondere die Belastungen für kleine und  
mittelständische Unternehmen zu verringern.  
die Staatsquote senken  
• Steuer-/Abgabenobergrenze einführen und Staatsver-  
brauch senken  
• Klare Prioritätensetzung, welche Staatsaufgaben  
wichtig sind, unwichtiges auslaufen lassen.  
wissens-/technologiebasierte Wirtschaft stärken  
• Schulische Bildung und die Forschungslandschaft  
verstärkt auf MINT-Fächer ausrichten  
• Umsetzung wissenschaftlicher Erkenntnisse in  
Produkte fördern  
• Unternehmergeist fördern  
• Steuerliche Bedingungen für Forschung und Entwick-  
lung sowie sich daraus ergebende Unternehmensgrün-  
dungen verbessern  
• Hightechunternehmen in Deutschland erhalten und  
fördern.  
Wahlprogramm Bundestagswahl 2017 | Steuern und Finanzen, Wirtschaft und Arbeit 53  
Investitionen im Inland fördern  
• Durch Subventionsabbau gesparte Mittel in  
Infrastruktur stecken  
• Energiepreise kalkulierbar machen, Förderung  
erneuerbarer Energien zurückfahren  
10.7 Gesicherte Einlagen bei Bankinsolvenzen  
Die AfD fordert, dass die Kunden das Recht auf Konten  
haben, die die Geldinstitute im Sondervermögen halten  
müssen. Diese Vermögen sind im Fall einer Bankinsolvenz  
geschützt. Bereits jetzt werden Aktien als Sondervermögen  
(Treuhandvermögen) bei Geldinstituten gehalten.  
10.8 Anspruch auf Teilhabe am digitalen Leben  
und digitaler Wirtschaft  
Die AfD fordert, dass die Voraussetzungen geschaffen  
werden, um Haushalte sowie klein- und mittelständische  
Betriebe – unabhängig davon, ob diese sich in urbanen Räu-  
men oder sich in ländlichen Regionen befinden – innerhalb  
von zwei Jahren an schnelle Breitbandnetze angeschlossen  
werden können. Staatliche Unterstützungsprogramme sollen  
finanzielle Belastungen abmildern. Allen Haushalten sowie  
klein- und mittelständischen Betrieben soll somit – unab-  
hängig von ihrem Standort – die Anbindung an die Breit-  
bandinfrastruktur möglich sein. Der Anschluss der letzten  
„Meile“, von der verlegten Grundinfrastruktur zum Haus-  
oder Firmenanschluss, muss eine sicherzustellende Option  
für Privathaushalte und klein- und mittelständische Betriebe  
werden.  
54 Wahlprogramm Bundestagswahl 2017 | Steuern und Finanzen, Wirtschaft und Arbeit  
K A P I T E L 1 1  
Sozialpolitik  
11.1 Sozialpolitik und Zuwanderung  
Unser Land steht vor großen sozialen Herausforderungen.  
Es gilt die hohe Kinderarmut und die drohende Altersar-  
mut zu bekämpfen. Eine Vielzahl von Arbeitslosen ist in  
Beschäftigung zu bringen. Die Infrastruktur unseres Landes  
ist in Teilen heruntergewirtschaftet, ohne dass dies in den  
öffentlichen Haushalten abgebildet wird. Die Stabilisierung  
der Sozialsysteme erfordert bei einer schrumpfenden und  
alternden Bevölkerung besondere Anstrengungen. Unsere  
begrenzten Mittel stehen deshalb nicht für eine unverant-  
wortliche Zuwanderungspolitik, wie sie sich kein anderes  
europäisches Land zumutet, zur Verfügung. Sowohl die  
Euro-Rettungspolitik als auch die Niedrigzinspolitik der EZB  
erschweren diese notwendige Reformpolitik für Deutsch-  
land. Auch deshalb müssen die Weichen für den Euro und  
Europa völlig neu gestellt werden.  
Unser Sozialstaat kann nur erhalten bleiben, wenn die ge-  
forderte finanzielle Solidarität innerhalb einer klar definier-  
ten und begrenzten Gemeinschaft erbracht wird. Eine Auflö-  
sung des Nationalstaats führt unweigerlich zur Gefährdung  
unserer gewohnten sozialstaatlichen Errungenschaften.  
11.2 Benachteiligung von Familien beseitigen und  
Kinderarmut bekämpfen  
Die Abgabenlast für Familien ist zu hoch. Obwohl das  
Bundesverfassungsgericht gefordert hat, die Existenzminima  
von Kindern und Eltern wirksam steuerfrei zu stellen, ist der  
Gesetzgeber dem nicht angemessen nachgekommen.  
Die AfD setzt sich für die nachhaltige steuerliche Entlas-  
tung von Familien durch Einführung eines Familiensplit-  
tings ein, welches das Familieneinkommen vor Versteuerung  
auf die Familienmitglieder rechnerisch verteilt.  
In diesem Zuge sind auch die steuerlichen Benachteili-  
gungen von Kindern und Eltern aus Trennungs- und Schei-  
dungsfamilien zu beseitigen. Der Erwerb von Wohneigentum  
durch Familien sollte z.B. durch zinslose Darlehen, Zuschüs-  
se und Erlass der Grunderwerbsteuer erleichtert werden.  
Die AfD setzt sich auch für eine bessere Berücksichtigung  
der Leistungen von Eltern in der Rentenversicherung ein.  
Die Kinder von heute sind die potenziellen Beitragszahler  
von morgen. Wer Kinder großzieht und Rentenversiche-  
rungsbeiträge leistet, trägt deshalb doppelt zur Sicherung  
der Renten bei.  
Erziehungszeiten müssen deshalb eine dieser Leistung  
angemessene Rentenerhöhung der Eltern zur Folge haben.  
56 Wahlprogramm Bundestagswahl 2017 | Sozialpolitik  
11.3 Grundsätzliches zur Rente  
Den Menschen in unserem Land wieder Sicherheit im  
Arbeitsleben und im Alter zu geben, ist der Alternative für  
Deutschland ein besonderes Anliegen. Nur mit einer ausrei-  
chenden Versorgung im Alter kann Altersarmut verhindert  
werden. Das Bestreben der AfD ist es daher, das System  
der gesetzlichen Rentenversicherung so zu gestalten, dass  
es leistungsfähig und den Herausforderungen der Zukunft  
nachhaltig gewachsen ist. Die besondere demografische He-  
rausforderung der nächsten Jahrzehnte wird – mindestens  
vorübergehend – eine stärkere Mitfinanzierung aus Steuer-  
mitteln erforderlich machen.  
Unbeschadet solcher Hilfestellung außerhalb der Bei-  
tragsfinanzierung der staatlichen Renten müssen die bei-  
den Säulen Betriebsrente und rein private Altersvorsorge  
gesetzgeberisch gestärkt werden. Hierzu bedarf es der  
Steuerfreistellung der Ansparbeiträge verbunden mit einer  
nachgelagerten Ertragsbesteuerung. Für eine wirkungsvolle  
Ausgestaltung solcher Systeme ist die Zinspolitik der EZB  
tödlich. Auch deshalb muss Deutschland aus der Eurozone  
austreten, sofern nicht unverzüglich Änderungen in die Tat  
umgesetzt werden.  
11.4 Rente und Lebensarbeitszeit  
Bei einer Lebensarbeitszeit von bis zu 45 Jahren soll künf-  
tig der Rentenanspruch abschlagsfrei gegeben sein. Bei der  
Berechnung der Rente werden alle Beitragszeiten in dem  
Maß berücksichtigt, in dem sie tatsächlich erbracht wurden.  
Bekanntlich wird bereits in naher Zukunft die Zahl der  
Rentner im Verhältnis zur Zahl der Beitragszahler überpro-  
portional steigen. Die jüngeren Generationen der Beitrags-  
zahler werden diese finanzielle Verpflichtung nicht alleine  
schultern können. Es wird daher notwendig sein, die staat-  
lichen Transferzahlungen aus allgemeinen Steuermitteln  
an die Rentenversicherung erheblich zu erhöhen, um die  
Beiträge der arbeitenden Menschen in erträglichen Grenzen  
zu halten.  
Auch aus diesem Grund ist die derzeitige Migrationspolitik  
sofort zu beenden. Die zur Zeit dort mobilisierten jährlichen  
Milliardenbeträge, mit steigender Tendenz für die Zukunft,  
müssen in die Stabilisierung der Alterssicherung der deut-  
schen Bevölkerung umgelenkt werden.  
Bezieher von Altersrenten sollen ohne Einschränkung  
ihrer Rentenbezüge einer entgeltlichen Beschäftigung  
nachgehen können. Diese Einkommen sollen von Arbeit-  
nehmer- und Arbeitgeberbeiträgen zur Rentenversicherung  
freigestellt werden können.  
11.5 Rente und versicherungsfremde Leistungen  
Die AfD tritt dafür ein, dass Leistungen aus Mitteln der  
staatlichen Rentenversicherung, die sich nicht über Maßstä-  
be sozialer Verteilungsgerechtigkeit innerhalb der gesamten  
Solidargemeinschaft rechtfertigen lassen („echte“ versiche-  
rungsfremde Leistungen) entweder ausgegliedert oder über  
staatliche Transferleistungen finanziert werden. Allein im  
Jahr 2015 sind aus dem Etat der Rentenversicherung versi-  
cherungsfremde Leistungen in zweistelliger Milliardenhöhe  
erfolgt.  
Wahlprogramm Bundestagswahl 2017 | Sozialpolitik 57  
11.6 Doppelbesteuerung der staatlichen Rente  
vermeiden  
Die AfD setzt sich dafür ein, zu überprüfen, ob die im Zuge  
der Einführung einer nachgelagerten Rentenbesteuerung  
vom Bundesverfassungsgericht als unrechtmäßig erkannte  
Doppelbesteuerung der Renten tatsächlich durch die derzei-  
tige gesetzgeberische Regelung vermieden wird.  
11.7 Grundsicherung im Alter: Wer gearbeitet hat,  
muss später mehr haben  
Erwerbstätige, die jahrzehntelang sozialversicherungs-  
pflichtig beschäftigt waren, aber beispielsweise durch  
niedrige Entlohnung oder unterbrochene Erwerbsbiografien  
keinen Rentenanspruch aufbauen konnten, der das Niveau  
der Grundsicherung übersteigt, werden derzeit genauso  
behandelt, wie Personen, die niemals sozialversicherungs-  
pflichtig beschäftigt waren. Das ist ungerecht.  
Die AfD will daher dafür sorgen, dass durch Arbeits-  
leistung und andere anrechenbare Zeiten, zum Beispiel  
Erziehungszeiten, erworbene Rentenansprüche mit einem  
angemessenen Aufschlag zur Grundsicherung Berücksichti-  
gung finden.  
11.8 Gerechtigkeit beim Arbeitslosengeld  
Seit der Sozialrechtsreform 2005 (Hartz-Reform) wird bei  
der Festlegung der Höhe des Anspruchs auf Arbeitslosengeld  
II und – von geringfügiger Stufung abgesehen – der Bezugs-  
dauer von Arbeitslosengeld I nicht berücksichtigt, ob und  
gegebenenfalls wie lange der Betroffene zuvor sozialversi-  
cherungspflichtig erwerbstätig war. Nach in der Regel zwölf  
Monaten erhalten ehemals langjährig Erwerbstätige Arbeits-  
losengeld II in gleicher Höhe und für die gleiche Zeitdauer  
Leistungen wie Arbeitslose, die noch nie zuvor Beiträge an  
die Arbeitslosenversicherung gezahlt haben. Dies stellt eine  
Geringschätzung der langjährigen Beitragszahler dar.  
Die AfD setzt sich für eine Bezugsdauer von Arbeitslosen-  
geld I in Abhängigkeit von der Dauer der Vorbeschäftigung  
ein. Der Selbstbehalt bei der Berechnung von Arbeitslosen-  
geld II ist sanktionsfrei zu erhöhen.  
Dies ist ein Gebot der Gerechtigkeit, um unterschiedliche  
Erwerbsbiografien bei Arbeitslosigkeit auch differenziert zu  
behandeln.  
11.9 Paritätische Finanzierung der Kranken- und  
Pflegeversicherung  
Die AfD setzt sich dafür ein, dass der Arbeitgeberanteil  
zur Kranken- und Pflegeversicherung wieder auf die gleiche  
Höhe wie der Arbeitnehmeranteil festgelegt wird.  
Die Risiken der Kostensteigerungen im Gesundheitswesen  
allein auf die Arbeitnehmer abzuwälzen, wie es die letzten  
Bundesregierungen getan haben, ist unsystematisch.  
58 Wahlprogramm Bundestagswahl 2017 | Sozialpolitik  
K A P I T E L 1 2  
Unser Gesundheitssystem  
ist in Gefahr  
Die Gesundheitspolitik in Deutschland steht angesichts der  
demografischen Entwicklungen vor großen Herausforderun-  
gen. Die Sicherstellung der medizinischen Versorgung für  
alle Bürger in Stadt und Land gehört zu den Grundpfeilern  
des modernen Sozialstaates.  
Wir setzen uns für eine leistungsfähige, flächendeckende  
und möglichst wohnortnahe medizinische Versorgung für  
alle Bürger ein – im ambulanten wie im stationären Bereich.  
12.1 Finanzierung der Gesundheit – grundlegende  
Probleme beseitigen  
Die Finanzierung unseres Gesundheitswesens wird durch  
allgemeine politische Fehlentwicklungen bedroht: Die von  
den Kassen zu tragenden Kosten für Migranten, Flüchtlin-  
ge und Asylbewerber laufen aus dem Ruder und durch die  
verfehlte Zinspolitik der europäischen Zentralbank können  
die kapitalgedeckten privaten Krankenversicherungen keine  
ausreichenden Rücklagen mehr bilden.  
12.2 Ärztliche Versorgung auf dem Land  
sicherstellen  
Die Arztsitze sind zwischen Stadt und Land ungleich  
verteilt. Niederlassungen auf dem Land sind häufig nicht at-  
traktiv. Wir wollen dazu beitragen, es für Ärzte attraktiver zu  
machen, sich wieder vermehrt auf dem Land niederzulassen.  
Auch die Kommunen und Landkreise sowie die Bundeslän-  
der sind gefordert, Anreize zu schaffen.  
Wir wollen sicherstellen, dass auch ländliche Regionen  
medizinisch gut versorgt sind und sich dort wieder mehr  
Ärzte niederlassen.  
12.3 Dem „Pflegenotstand“ entgegenwirken  
In allen vollstationären medizinischen Einrichtungen  
entwickelt sich ein Mangel an qualifiziertem Pflegepersonal  
(„Pflegenotstand“). Eine Hauptursache ist, dass die Perso-  
nalkosten im „DRG-Fallpauschalensystem“ der Krankenhäu-  
ser unzulänglich abgebildet sind. In den Krankenhaus-  
entgelten sind die tariflichen Entgeltsteigerungen deshalb  
nur teilweise enthalten. Aufgrund dieser Deckungslücke  
sehen sich viele Krankenhäuser gezwungen, Personalstellen,  
insbesondere bei der Pflege, einzusparen. Das führt zu einer  
unzumutbaren Verschlechterung der Arbeitsbedingungen  
und Nachteilen für die Patienten.  
Als Ursachen für den fehlenden Berufsnachwuchs spielen  
der hohe Leistungsdruck und die zuweilen unangemessene  
Entlohnung eine Rolle.  
Die Akzeptanz und Attraktivität des Pflegeberufs muss  
erhöht werden, um dem bestehenden und absehbar zuneh-  
menden Mangel an qualifiziertem Pflegepersonal zu begeg-  
nen.  
Die AfD fordert einen verbindlichen, länderübergrei-  
fenden Mindestpersonalschlüssel für das Pflegepersonal,  
der auch bei den Krankenhausentgelten Berücksichtigung  
finden muss.  
60 Wahlprogramm Bundestagswahl 2017 | Unser Gesundheitssystem ist in Gefahr  
12.4 Stationäre Versorgung durch Investitionen  
sicherstellen  
Wir wollen die wirtschaftliche Lage der Krankenhäuser  
durch Abbau von Investitionsstaus verbessern und damit  
auch die Chance für den Erhalt von wohnortnahen Häusern  
in kommunaler Trägerschaft erhöhen.  
Die wirtschaftlich angespannte Lage der meisten Kranken-  
häuser wird durch die fehlende Investitionsfinanzierung der  
Länder weiter verschärft. Seit Jahren werden nur etwa die  
Hälfte der ca. 5,5 Milliarden Euro für den Erhalt der Kran-  
kenhäuser erforderlichen Mittel bereitgestellt. Die daraus  
resultierende Notwendigkeit, Investitionsmittel aus den  
Behandlungspauschalen zu finanzieren, führt zur weiteren  
Verschärfung der finanziellen Situation vieler Krankenhäu-  
ser. Nicht wenige Kommunen sahen sich deshalb veranlasst,  
Krankenhäuser an private Träger zu verkaufen. Unverkenn-  
bar ist seit Einführung der Fallpauschalen (DRG) im Jahr  
2002 eine Privatisierungswelle zu verzeichnen.  
Wir unterstützen die Trägervielfalt im Krankenhauswe-  
sen und lehnen eine Entwicklung hin zur Monopolbildung  
entschieden ab.  
12.5 Krankenhaus-Notfallambulanzen entlasten  
Die Ambulanzen der Krankenhäuser sollen durch die Ein-  
richtung von Portal-Praxen entlastet werden.  
Aufgrund von teilweise langen Wartezeiten im ambulanten  
Bereich werden die Notfallambulanzen der Krankenhäuser  
mit einer zunehmenden Anzahl von unkritischen Behand-  
lungsfällen überschwemmt. Wir setzen uns deshalb, wie in  
einigen Bundesländern bereits praktiziert, für die Einrich-  
tung von Portal-Praxen aus dem niedergelassenen Bereich  
am Krankenhaus ein.  
12.6 Ambulante Versorgung durch ein  
Hausarztsystem optimieren  
Durch das flächendeckende Angebot eines Hausarztsys-  
tems sollen ambulante Behandlungen besser koordiniert  
und Doppeluntersuchungen vermieden werden. Das Kos-  
tenbewusstsein und die Eigenverantwortlichkeit des Bürgers  
sollen gestärkt werden. Die freie Arztwahl muss sicherge-  
stellt sein.  
12.7 Ärzte und Therapeuten überwiegend in  
Deutschland ausbilden  
Gesundheit ist immer auch eine Frage des Vertrauens.  
Bei Ärzten, Therapeuten oder Pflegekräften, die sprachliche  
Defizite aufweisen, kann keine Vertrauensbasis entstehen.  
Die Beschäftigung von ausländischem Personal, das oftmals  
sprachliche Defizite aufweist, kann somit keine Lösung zur  
Behebung des Personalmangels im Gesundheitswesen sein.  
Insbesondere müssen Ärzte, die in der Patientenversorgung  
tätig sind, über gute Sprachkenntnisse (Sprachniveau C1)  
verfügen. Deren fachliche Qualifikation muss uneinge-  
schränkt dem deutschen Standard entsprechen.  
Ärzte und Therapeuten, die in Gesundheitsberufen arbei-  
ten, sollen nach Möglichkeit in Deutschland ausgebildet sein  
oder über gute deutsche Sprachkenntnisse verfügen.  
Wahlprogramm Bundestagswahl 2017 | Unser Gesundheitssystem ist in Gefahr 61  
12.8 Das deutsch-türkische Sozialversicherungsab-  
kommen kündigen  
Das deutsch-türkische Sozialversicherungsabkommen  
aus dem Jahr 1964 regelt die Rechtsstellung türkischer oder  
deutscher Staatsbürger im jeweils anderen Land. In der  
Krankenversicherung führt dies zu einer weithin unbekann-  
ten, eindeutigen Besserstellung türkischer Staatsangehöri-  
ger gegenüber deutschen Staatsangehörigen. Dies betrifft  
insbesondere die in unserem Sozialversicherungsrecht nicht  
vorgesehene Ausweitung der Familienversicherung. Der  
Familienbegriff richtet sich nicht nach deutschen Vorschrif-  
ten, sondern nach türkischen. Da nach türkischem Recht die  
Eltern mit zur Familie gehören, werden auch in der Türkei  
lebende Eltern türkischer Arbeitnehmer mitversichert.  
Das deutsch-türkische Sozialversicherungsabkommen  
benachteiligt einheimische Versicherte. Deshalb wollen wir  
es kündigen und auf der Basis europäischer Sozialversiche-  
rungsabkommen neu verhandeln.  
12.9 Gesundheitskarte und E-Health-Gesetz  
Medizinische Behandlungsdaten müssen aufgrund ihrer  
hohen Sensibilität den höchstmöglichen Schutz genießen.  
Die elektronische Gesundheitskarte (eGK), auf der bisher  
nur Versichertendaten gespeichert sind, soll in einer weite-  
ren Ausbaustufe ein Schlüssel zu einer zentralen Datenbank  
sein, in der neben diagnostischen Unterlagen und Untersu-  
chungsergebnissen alle Informationen aller behandelnden  
Ärzte über den Patienten (Patientenakten) zusammengetra-  
gen werden.  
Die AfD lehnt die Schaffung einer solchen zentralen Daten-  
bank zur Speicherung sensibler Gesundheitsdaten ab.  
Wir befürworten aber die Speicherung eines Notfalldaten-  
satzes, einschließlich eines Medikamentenplans und einer  
Patientenverfügung, direkt auf der Karte. Für die Speiche-  
rung und den Austausch weiterer Gesundheitsdaten schla-  
gen wir, neben dem Datenaustausch in Praxisverbünden, die  
Schaffung eines elektronischen Gesundheitspasses vor, bei  
dem die Daten nicht zentral, sondern direkt auf dem Me-  
dium gespeichert werden. In allen Fällen darf dies nur auf  
freiwilliger Basis erfolgen.  
12.10 Alternative Medizin als Ergänzung traditio-  
neller Medizin  
Unter dem Begriff der „alternativen“ Behandlungen  
werden die unterschiedlichsten Behandlungsmethoden  
zusammengefasst. Diese können bei Einhaltung von zu  
definierenden Qualitätsstandards eine sinnvolle Ergänzung  
zur herkömmlichen Medizin darstellen. In jedem Fall ist eine  
ganzheitliche Betrachtung und Behandlung des Patienten  
notwendig, um der Zunahme von chronischen Erkrankungen  
und von Therapieresistenzen entgegenzuwirken.  
Alternative Behandlungsmethoden können in bestimmten  
Bereichen eine Ergänzung der akutmedizinischen Behand-  
lungsmethoden darstellen.  
62 Wahlprogramm Bundestagswahl 2017 | Unser Gesundheitssystem ist in Gefahr  
12.11 Freiberufliche Hebammen  
Der Berufsstand der freiberuflichen Hebamme, die eine  
werdende Mutter vom Beginn der Schwangerschaft bis zur  
Entbindung und oft auch darüber hinaus begleitet, gerät  
aufgrund der in den letzten Jahren deutlich angestiegenen  
Haftpflichtprämien sehr stark unter Druck, weil diese Auf-  
wendungen von vielen freiberuflich tätigen Hebammen kaum  
oder gar nicht mehr verkraftet werden können. Ein „Ausster-  
ben“ des Berufsstandes in naher Zukunft ist absehbar.  
Die persönliche und individuelle Betreuung schwangerer  
Frauen durch eine Hebamme des Vertrauens ist für viele  
Frauen eine große Erleichterung und Hilfe nicht nur während  
der Geburt, sondern auch in der Geburtsvorbereitung und der  
Nachsorge für Mutter und Kind.  
Wir möchten deshalb zu einer finanziellen Entlastung des  
Berufsstandes der freiberuflichen Hebammen beitragen, die  
z. B. durch eine Quersubventionierung bei Haftpflichtversi-  
cherungen erfolgen könnte.  
12.12 Keine Freigabe von Cannabis  
Eine weitere Freigabe von Drogen bzw. suchtgefährdenden  
Substanzen ist nicht nur in der Folge kostenintensiv, sondern  
auch medizinisch schädlich. Ersatzpräparate wie THC stehen  
für Cannabis bereits jetzt zur Verfügung. Es ist zu befürchten,  
dass durch eine Freigabe von Cannabis der Drogenmiss-  
brauch und die damit verbundenen gesellschaftlichen Proble-  
me zunehmen.  
Die AfD lehnt deshalb die Freigabe von Cannabis ab.  
Wahlprogramm Bundestagswahl 2017 | Unser Gesundheitssystem ist in Gefahr 63  
K A P I T E L 1 3  
Schluss mit der  
Technologiefeindlichkeit:  
Energie und Klima  
13.1 Klimawandel  
Das Spurengas Kohlenstoffdioxid (CO 2) ist kein Schadstoff,  
sondern eine unverzichtbare Voraussetzung für alles Leben.  
Die Aussagen des Weltklimarats (IPCC), dass Klimaände-  
rungen vorwiegend menschengemacht seien, sind wissen-  
schaftlich nicht gesichert. Sie basieren allein auf Rechenmo-  
dellen, die weder das vergangene noch das aktuelle Klima  
korrekt beschreiben können. Schon vor der Industrialisie-  
rung gab es Warm- und Kaltperioden, die sich nicht durch  
die zugehörige CO 2-Konzentration der Luft erklären lassen.  
Mit dem Beitritt zum Pariser Abkommen und dem von der  
Bundesregierung erlassenen Klimaschutzplan 2050 hat  
Deutschland sich verpflichtet, für die sogenannte „Dekarbo-  
nisierung“ weitgehende Eingriffe in unsere Wirtschaft und  
Gesellschaft vorzunehmen.  
Wir wollen das Projekt der Dekarbonisierung über die  
„Große Transformation“ beenden und den Klimaschutzplan  
2050 der Bundesregierung aufheben.  
Das Pariser Klimaabkommen vom 12.12.2015 ist zu kün-  
digen. Deutschland soll aus allen staatlichen und privaten  
„Klimaschutz“-Organisationen austreten und ihnen jede  
Unterstützung entziehen.  
13.2 Energiepolitik  
Deutschland hat Strompreise, die mit jedem Zubau weite-  
rer Wind- und Sonnenstromanlagen und dem Netzausbau  
zwangsläufig weiter steigen. Der mit staatlicher Planwirt-  
schaft erzeugte Ökostrom hatte im Jahr 2015 einen Markt-  
wert von 3,3 Milliarden Euro. Zusammen mit den EEG-Sub-  
ventionen kostete dieser Ökostrom die Verbraucher 27,5  
Milliarden Euro (Quelle: BMWi). Diese Subventionen fließen  
zu den Profiteuren der Energiewende und belasten jeden  
Vierpersonenhaushalt bis 2025 mit jeweils 25.000 Euro. Da-  
mit findet eine Umverteilung von unten nach oben statt. Die  
volkswirtschaftlichen Mehrkosten der geplanten Energie-  
wende allein im Strombereich werden bis 2050 zusammen  
mehrere Billionen Euro betragen.  
Die naturgesetzlich, technisch und wirtschaftlich beding-  
ten und daher vorhersehbaren Probleme der Energiewende  
wie weiter steigende Preise, gefährdete Netzstabilität, zuneh-  
mendes Risiko für Stromausfälle und fehlende Großspeicher,  
bleiben ungelöst.  
Die ständige Verschärfung von Verordnungen und Ge-  
setzen im Wärmesektor, wie die Energieeinspar-Verord-  
nung (EnEV) und das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz  
(EEWärmeG) zur Dämmung und Heizung, führt zu stark  
steigenden Bau- und Rückbaukosten und entsprechend ho-  
hen Mieten, die die unteren Einkommensgruppen besonders  
hart treffen.  
Wahlprogramm Bundestagswahl 2017 | Schluss mit der Technologiefeindlichkeit: Energie und Klima 65  
Das Ziel der Bundesregierung ist es, bis 2050 die  
CO2-Emissionen um 80 bis 95 Prozent zu senken. Die Sek-  
toren Mobilität und Wärme sollen durch Umstellung auf  
Ökostrom ebenfalls emissionsfrei werden. Dies erfordert  
einen Ausbau der Windenergieanlagen in einem Ausmaß  
und mit einer Geschwindigkeit, die Wirtschaft und Bürger  
überfordern.  
Die bestehenden Kernkraftwerke wollen wir deshalb nicht  
vor Ende ihrer Nutzungsdauer außer Betrieb nehmen.  
Auch auf die Nutzung moderner Gas- und Kohlekraftwer-  
ke wird Deutschland auf absehbare Zeit nicht verzichten  
können.  
Im Einzelnen fordern wir:  
Das EEG ist ersatzlos zu streichen.  
Solange das EEG noch nicht abgeschafft ist:  
• sollen keine EE-Anlagen in Wäldern und Schutz-  
gebieten errichtet werden  
• sollen keine Vorrangflächen für Windenergieanlagen  
ohne Zustimmung der betroffenen Bürger ausge-  
wiesen werden  
• soll der Mindestabstand von Windenergieanlagen  
zur Wohnbebauung um das 10-fache der Gesamt-  
höhe betragen  
Die Laufzeit sicherer Kernkraftwerke muss sich nach  
der technischen Nutzungsdauer richten.  
Die verwertbaren Kernkraftwerk-Reststoffe müssen  
für das Recycling rückholbar gelagert werden.  
Zur Erhaltung der kerntechnischen Kompetenz ist  
eine umfangreiche Beteiligung an internationalen  
Forschungsprojekten sicherzustellen.  
Die EnEV und das EEWärmeG sind abzuschaffen.  
Die Elektromobilität muss sich wie jede Technik auf  
marktwirtschaftlicher Basis entwickeln.  
13.3 Land der Tüftler und Denker:  
Technologie fördern  
Als rohstoffarmes Land kann uns nur eine technologische  
Spitzenposition langfristig den Wohlstand erhalten. Leider  
sinkt das Ausbildungsniveau der nachrückenden Genera-  
tionen in den MINT-Fächern (Mathematik, Informatik,  
Naturwissenschaft und Technik). Eine allgemeine Techno-  
logiefeindlichkeit wird durch die MINT-fernen Bedenken-  
träger allgegenwärtig geäußert. Um das Verständnis und  
die Entscheidungsfähigkeit für naturwissenschaftliche und  
technische Zusammenhänge sowie Prozesse zu verbessern,  
muss die inhaltliche Entwertung der MINT-Fächer an den  
Schulen gestoppt werden.  
Im Einzelnen fordern wir:  
Zur Sicherung der wirtschaftlichen Basis müssen auf  
allen Ebenen in Schulen, Bildungs- und Forschungs-  
einrichtungen die MINT-Fächer stärker gefördert  
werden. Dies erfordert neben finanziellen Mitteln auch  
eine anhaltende Kampagne für die Bedeutung und die  
Perspektiven solcher Ausbildungsgänge.  
Ein gesellschaftliches Klima für eine offene, unbelas-  
tete Diskussion neuer Technologien und Entwicklun-  
gen zu fördern. Dabei sind neben der berechtigten  
Erörterung von Risiken bei neuen Technologien auch  
die Chancen stärker in den Fokus zu rücken. Das gilt  
insbesondere beim Erlass von gesetzlichen Regelungen  
zu Technologien.  
66 Wahlprogramm Bundestagswahl 2017 | Schluss mit der Technologiefeindlichkeit: Energie und Klima  
Schlüsseltechnologien, die für Deutschland relevant  
sind, müssen identifiziert werden und durch substanzi-  
elle Förderungsmodelle vorrangig entwickelt werden.  
Um naturwissenschaftlichen und technischen Kompe-  
tenzverlust zu stoppen und international den An-  
schluss in weiteren Technologiefeldern nicht zu  
verlieren, muss generell eine ideologiefreie Forschung  
deutlich ausgebaut werden. Dazu sind bestehende För-  
derlinien auszuweiten und Förderprogramme bis zum  
Maßstab von Demonstrationsanlagen neu aufzulegen.  
Hindernisse, die Unternehmensgründungen erschwe-  
ren, sind zu ermitteln und geeignete Maßnahmen zur  
Förderung von Startups zu beschließen.  
Der Schutz vor Industriespionage ist insbesondere  
durch staatliche Maßnahmen zur Erhöhung der IT-Si-  
cherheit und der Sicherheit der Datennetze zu verbes-  
sern.  
Wahlprogramm Bundestagswahl 2017 | Schluss mit der Technologiefeindlichkeit: Energie und Klima 67  
K A P I T E L 1 4  
Verkehrswege erhalten und  
ausbauen, Wohnungsbau  
verstärken, ländlichen Raum  
entwickeln  
14.1 Verkehr  
Im Schienenverkehr braucht unser Land ein gut ausge-  
bautes und aufeinander abgestimmtes Nah- und Fernver-  
kehrsnetz. Die Eisenbahninfrastruktur muss in der Hand des  
Bundes verbleiben. Die LKW-Maut muss nach tatsächlicher  
Fahrbahnbelastung durch schwere Achslasten erhoben  
werden, dabei ist pro Fahrzeug die Anzahl der Achsen und  
deren Achslast zu erfassen. Jeder Euro der LKW-Maut muss  
zusätzlich in die Infrastruktur fließen.  
Eine ideologisch geleitete Verkehrspolitik, die bestimmte  
Verkehrsmittel bevorzugt oder diskriminiert, z.B. Diesel-  
fahrzeuge, lehnt die AfD ab.  
Deshalb wenden wir uns auch gegen ein flächendecken-  
des Tempolimit und erfolglose Umweltzonen. Umweltzonen  
haben nachweislich nicht zur Reduzierung der Feinstaube-  
mission beigetragen. Sie sind daher abzuschaffen.  
Die Infrastruktur unseres Landes wurde jahrzehntelang  
vernachlässigt und ist in vielen Teilen marode. Die AfD will  
deshalb ein bundesweites „Konjunkturprogramm Infrastruk-  
tur“ (KPI) auflegen. Ziel des KPI ist die Sanierung und der  
Ausbau von Schienen, Straßen, Wasserwegen, Brücken und  
öffentlichen Gebäuden wie Schulen, Kindergärten, Theatern  
und Museen.  
Im Einzelnen fordern wir:  
Erhalt der Substanz und Beseitigung von Engpässen  
im Straßen- und Schienennetz,  
ein Konjunkturprogramm Infrastruktur,  
keine Öffentlich-Private Partnerschaft (ÖPP) bei Pro-  
jekten der öffentlichen Infrastruktur,  
Erstellung eines Verkehrskonzepts für den Güterfern-  
verkehr unter Berücksichtigung moderner Logistik-  
konzepte,  
Einbeziehung aller Verkehrsträger in einen neuen Bun-  
desverkehrsplan,  
keine PKW-Maut sowie Novellierung der LKW-Maut,  
Abschaffung der Umweltzonen,  
kein flächendeckendes Tempolimit auf Autobahnen,  
ein nationales Flughafenkonzept.  
14.2 Wohnungsbau  
Wohnraum ist in den deutschen Großstädten knapp und  
teuer. Die Neubautätigkeit kann unter den vorliegenden  
Rahmenbedingungen nicht mithalten.  
Planwirtschaftliche Eingriffe wie die „Mietpreisbremse“  
verschleppen das eigentliche Problem, anstatt es zu lösen.  
Langfristig verkehrt sich der gewünschte Effekt der Miet-  
preisbremse ins Gegenteil, weil sie private Investitionen in  
den Wohnungsbau weniger rentabel macht und so auch den  
dringend benötigten Neubau von Wohnungen ausbremst.  
Wahlprogramm Bundestagswahl 2017 | Verkehrswege erhalten und ausbauen, Wohnungsbau verstärken, ländlichen Raum entwickeln 69  
Wirksamer und nachhaltiger sind Maßnahmen, die den  
Wohnungsbestand deutlich erhöhen. Hierzu gehören: Die  
Ausweisung neuer und die Optimierung bestehender Bauge-  
biete, die Beschleunigung der Baurechtschaffung und eine  
Kostenverringerung durch die Beseitigung unnötiger Vor-  
schriften etwa zur Wärmedämmung und Bürokratie.  
Zur Eigentumsförderung sind Grundstücke von der  
öffentlichen Hand zur Verfügung zu stellen und genossen-  
schaftliches Wohnen zu fördern. Mieter, deren Einkommen  
nicht für die Miete reicht, sind weiterhin durch Wohngeld zu  
unterstützen.  
Mieter und Eigentümer von Wohnraum sollen durch die  
Senkung der Grund- sowie Grunderwerbsteuer entlastet  
werden.  
Im Einzelnen fordern wir:  
Der Wohnungsbau muss durch geeignete Rahmen-  
bedingungen verstärkt werden  
Es muss mehr Bauland zur Verfügung gestellt werden  
Baustandards müssen vereinfacht und Bürokratie  
abgebaut werden  
Staatliche Vorgaben sind zu entschlacken  
Grund- sowie Grunderwerbsteuer sollen gesenkt  
werden  
14.3 Den ländlichen Raum stärken  
Wir unterstützen die Stärkung der ländlichen Infrastruktur.  
Die dort lebenden Menschen haben einen Anspruch auf ange-  
messene Infrastruktur, auch wenn die Besiedlungsdichte gering  
ist.  
Damit wird zusätzlich der anhaltende Wanderungsdruck aus  
den ländlichen Gebieten auf die Ballungszentren gemildert.  
Hierzu sollen die Anbindung an das schnelle Datennetz und  
die Anbindung an das überörtliche Straßen- und Schienennetz  
verbessert werden.  
70 Wahlprogramm Bundestagswahl 2017 | Verkehrswege erhalten und ausbauen, Wohnungsbau verstärken, ländlichen Raum entwickeln  
K A P I T E L 1 5  
Umwelt-, Natur- und Tier-  
schutz, Verbraucherschutz  
und Landwirtschaft  
15.1 Wasserversorgung gehört in die öffentliche  
Hand  
Die AfD befürwortet die kleinteilige Wasserversorgung  
durch Kommunen und Zweckverbände. Das Eigentum an  
den Wasserressourcen, den Förderanlagen, der Wasserauf-  
bereitung und am Verteilnetz muss in öffentlicher Hand und  
damit in den Händen der Bürger verbleiben.  
Eine EU-weite Liberalisierung und Kommerzialisierung  
des Wassermarkts lehnt die AfD entschieden ab.  
Eine generelle Privatisierung des Wassers oder der Wass-  
erwerke, die durch Richtlinien der EU angeregt werden, darf  
es nicht geben. Brunnen privater Grundstückseigentümer,  
die hieraus ihr Trinkwasser gewinnen, sind hiervon ausge-  
nommen.  
15.2 Ausbau der Windenergie stoppen  
Die Windenergie ist ein energiepolitischer Irrweg, ökono-  
misch absurd und ökologisch kontraproduktiv.  
Wir lehnen den weiteren Ausbau der Windenergie ab,  
denn er bringt mehr Schaden als Nutzen.  
Windenergieanlagen sind nur noch ausnahmsweise an  
Standorten zuzulassen, an denen keine Beeinträchtigungen  
für Menschen, Tiere oder das Landschaftsbild zu erwarten  
sind. Anerkannte Studien zeigen seit Jahren die verheerende  
Wirkung von Windkraftanlagen auf geschützte Vögel und  
Fledermäuse. Gravierend sind auch die gesundheitlichen  
Schadwirkungen auf den Menschen durch Schattenschlag  
und Lärmemission. Die flächendeckende Zerstörung unserer  
Landschaften ist die Folge von Windparks wie von zusätzli-  
chen Stromtrassen. Bei der Standortwahl sind die Menschen  
vor Ort durch Bürgerentscheide zu beteiligen.  
15.3 Lärmschutz verbessern  
Lärm verursacht Stress und macht krank. Lärm ist das  
durch weite Teile der Bevölkerung am stärksten wahrgenom-  
mene Umweltproblem. Die bisherigen Anstrengungen zur  
Lärmvorsorge und insbesondere zur Lärmsanierung reichen  
nicht aus.  
Die AfD setzt sich deshalb für ein zielgerichtetes Investiti-  
onsprogramm für den Lärmschutz ein.  
15.4 Verbraucherschutz  
Der Schutz der Verbraucher ist für die AfD einer der  
zentralen Politikbereiche. Er ist eine Querschnittsaufgabe  
und umfasst eine verbraucherfreundliche Wirtschaftspolitik  
genauso wie Teile der Sozial-, Rechts-, Umwelt- und Ge-  
sundheitspolitik. Da die Verbraucherschutzpolitik heute in  
hohem Maß EU-gesteuert ist, will die AfD die Zuständigkeit  
für Verbraucherschutz nach Deutschland zurückholen.  
Wir setzen uns deshalb für eine Renationalisierung des  
Verbraucherschutzes ein.  
72 Wahlprogramm Bundestagswahl 2017 | Umwelt-, Natur- und Tierschutz, Verbraucherschutz und Landwirtschaft  
Die AfD setzt sich für vermehrte Produktprüfungen durch  
Stärkung der Gewerbeaufsicht ein und fordert eine transpa-  
rente Kennzeichnung von Lebensmitteln mit verbraucher-  
freundlichen, genauen Angaben zu Herkunft, Inhaltsstoffen  
und Qualität. Wir wollen die Verbraucherorganisationen  
durch ausreichendes Stiftungskapital stärken, um ihre Unab-  
hängigkeit zu erhalten.  
Die offenen Grenzen des Binnenmarkts haben zu einer  
starken Zunahme unsicherer und gefährlicher Produkte  
geführt. Hersteller und Importeure können sich die Unbe-  
denklichkeit ihrer Produkte weitgehend selbst bescheinigen.  
Dieser Entwicklung muss durch eine bessere personelle und  
materielle Ausstattung der Gewerbeaufsicht und Produkt-  
prüfung, vor allem bei Lebensmitteln, Kinderspielzeugen  
und Elektrogeräten, begegnet werden.  
15.5 Tierschutz: Tierquälerisches Schlachten  
verbieten  
Die AfD setzt sich für eine mitfühlende und würdevolle  
Behandlung aller Tiere ein. Dies bezieht sich auf die Hal-  
tung, den Transport und die Schlachtung. Tierschutzgesetze  
müssen gleichermaßen für alle gelten.  
Den Handel, die Bewerbung und die Einfuhr von Fleisch  
aus tierquälerischer Schlachtung (Schächten) lehnt die AfD  
ab.  
Wir fordern eine ersatzlose Streichung des § 4a Abs. 2 Nr.  
2 TierSchG. Länder wie Schweden, Niederlande, Schweiz,  
Polen, Norwegen, Island, Liechtenstein und Dänemark sind  
für uns in dieser Hinsicht Vorbild.  
15.6 Stärkung der bäuerlichen Landwirtschaft  
Die AfD steht zur Förderung von landwirtschaftlichen Fa-  
milienbetrieben und Genossenschaften. Die Globalisierung  
bewerten wir im Bereich der Landwirtschaft kritisch. Bü-  
rokratie und Überregulierung durch EU, Bund und Länder  
wollen wir abbauen. Wir wenden uns gegen die negativen  
Auswirkungen eines weltweiten Preisdumpings zulasten  
von Umwelt, Mensch und Tier. Unsere landwirtschaftlichen  
Familienbetriebe müssen wieder in die Lage versetzt werden,  
von ihrem Einkommen den sozialen Standard ihrer Familien  
zu sichern und Investitionen für den Weiterbestand ihres  
Hofs zu tätigen.  
15.6.1 Regionalisierung und Direktvermarktung  
Wir wollen die regionale Lebensmittelerzeugung und Di-  
rektvermarktung durch bäuerliche Betriebe stärken. Hinder-  
liche Vorschriften sind zu beseitigen.  
Regionale Erzeugungs- und Vermarktungsstrukturen  
sparen Ressourcen, garantieren lokale Arbeitsplätze und ma-  
chen das Land attraktiv. Wir fordern auch in diesem Bereich  
eine Rückführung der Gesetzgebungskompetenzen von der  
EU auf die Länderebene.  
Wahlprogramm Bundestagswahl 2017 | Umwelt-, Natur- und Tierschutz, Verbraucherschutz und Landwirtschaft 73  
15.6.2 Alte Kultursorten erhalten  
Alte Kultursorten gehören zum kollektiven Eigentum aller  
Menschen. Dennoch müssen hohe Gebühren für die Anmel-  
dung uralter Sorten gezahlt werden, wenn diese vermarktet  
werden sollen. Diese Klausel im Saatgutverkehrsgesetz  
schützt große Konzerne vor der Konkurrenz durch Klein-  
betriebe. Durch die Erlaubnis, alte Kultursorten lizenzfrei  
vermehren zu können, wird die Sortenvielfalt beim Endver-  
braucher breiter werden.  
Die AfD fordert die Aufhebung aller Handelsbeschrän-  
kungen für alte Nutzpflanzensorten.  
15.6.3 Rahmenbedingungen für Kleingärten und  
Kleintierhaltungen verbessern  
Wer Lebensmittel selbst erzeugt, weiß um ihren Wert.  
Nutzgartenbesitzer und Kleintierhalter gewinnen frische Le-  
bensmittel, erhalten die genetische Vielfalt und leisten einen  
Beitrag für die Krisenvorsorge.  
Um weiterhin breiten Bevölkerungsschichten diesen Zu-  
gang zu ermöglichen, will die AfD die Rechtssicherheit von  
Kleingärten und Kleintierhaltungen stärken und Regularien  
abbauen.  
15.6.4 Für eine gentechnikfreie deutsche  
Landwirtschaft  
Die AfD setzt sich für gentechnikfrei erzeugte Lebensmittel  
aus der deutschen Landwirtschaft ein. Der streng kontrol-  
lierte Einsatz der Gentechnik in Forschung und Wissen-  
schaft bleibt erlaubt.  
74 Wahlprogramm Bundestagswahl 2017 | Umwelt-, Natur- und Tierschutz, Verbraucherschutz und Landwirtschaft

für  
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dieser vertreten durch die Bundessprecher  
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Deutschland  
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